Gorlebener Gebet

Aktuelles

Halbjahresprogramm

Bilder

Presseberichte

Wir über uns

Kontakt

Impressum
Archiv


Für alle, die es interessiert:

HIER kann man die sogenannte "Umweltenzyklika" des Papstes
"LAudato si" lesen und herunterladen (in deutscher Sprache)

Liebe Freundinnen und Freunde des Gorlebener Gebets!

Uns erreicht die Nachricht, dass Marianne Fritzen ihren irdischen Weg vollendet hat. Sie starb
91-jährig am 7. März 2016. Wir nehmen in großer Trauer Abschied, aber unsere Herzen
sind auch voller Dankbarkeit für ihre treue Begleitung des
Gorlebener Gebets.

In den fast 28 Jahren der Gebets-Andachten war es für Marianne ein Herzensanliegen,
ihren Wider- stand gegen die Atompolitik mit ihrem christlichen Glauben
in Verantwortung für dieSchöpfung vor Gott und Menschen zu verbinden.
Vor allem in den letzten Jahren konnten selbst Müdigkeit, Schmerzen oder schlechtes Wetter
sie nur selten davon abhalten, ihren Platz unter den Kreuzen im Gorlebener Wald einzunehmen:

„Ich brauche das Gorlebener Gebet für mein Wohlbefinden!“

Für den 13. März hatte sie die Gestaltung der Andacht übernommen. Nun bleibt uns
an diesem Tag nur die dankbare Erinnerung an Marianne: Ihr unerschrockener
beharrlicher Widerstand, ihre warmherzige Freundlichkeit, ihre umfassende Erfahrung
und Kompetenz und ihre oft humorvollen Zwischenbemerkungen.

Nun hat sich ihre Familie spontan bereit erklärt, dieses Gorlebener Gebet im Sinne
von ihrer Mutter zu gestalten. Die zuvor festgelegte Terminplanung übernehmen
sie wie ein Vermächtnis. Wir sagen den Kindern und Kindeskindern auch an dieser Stelle
unsere Anteilnahme und Verbundenheit in der Trauer des Abschieds.

Im Sinne von Marianne bleiben wir zusammen - im Gebet unter den Kreuzen und
danach beim Kaffeetrinken im Gasthaus Wiese.

Das Vorhaben, am Platz unserer Andachten für Marianne Fritzen einen Baum zu pflanzen,
wird von der Familie v. Bernstorff unterstützt. Wir müssen aber auf günstigere
Wetterbedingungen warten und werden bei einer späteren Andacht diese Aktion gemeinsam gestalten.

Bei der Abschlusskundgebung des Kreuzwegs von Wackersdorf nach Gorleben hielt Marianne
am 28.5. 1988 eine Ansprache und wurde damit zur Mit-Initiatorin des Gorlebener Gebets.
Ihre Worte haben nichts an Bedeutung verloren, ihre Mahnung und Ermutigung ist wie ein
ausgestreuter Samen.
Wir fühlen uns bis heute und für die Zukunft mit Marianne verbunden in dem Zuspruch:
„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben,
sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“

Hier soll nun Marianne noch einmal zu Wort kommen mit dem Text ihrer Ansprache:

Liebe Freundinnen und liebe Freunde !
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.“
Diese Worte des Trostes ( Matth. 11,28 ) sollen auch uns Trost sein im Angesicht der atomaren
Anlagen vor bzw. hinter uns. Ihr habt die Zwischenlager und das geplante Endlager gesehen.
Gorleben - Wackersdorf , zwei Ortschaften, die eingehen werden in die Geschichte.

Eingehen durch den technologischen Wahnsinn dieser letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts,
aber auch durch den Mut, durch die Kraft durch den Widerstand all derjenigen, die sich diesem
zerstörerischen Wahnsinn entgegenstemmen.

Der Weg, der hinter den Pilgern liegt, war weit – und bestimmt oft mühsam. Ihr seid nun
angekommen mit dem Kreuz – hier an eurem Ziel. Mit dem Kreuz, das nicht nur Zeichen des
Todes ist, sondern gleichsam auch Zeichen des Lebens. Für euren Weg habt ihr eine Zeit
gewählt, die sinnbildlich auch für unseren Widerstand stehen kann.

Höhen und Tiefen, Freude und Hoffnung prägen die Zeit zwischen Palmsonntag und Pfingsten,
Höhen und Tiefen und Freude und Hoffnung prägen auch unseren Widerstand.
Jesus zog am Palmsonntag auf einem einfachen Esel sitzend in Jerusalem ein – und nicht auf
einem stolzen Streitroß. Demut, Einfachheit und Frieden prägten diesen Einzug.

Und so sind unsere Pilger ausgezogen aus Wackersdorf, in Demut und Einfachheit unter dem
Zeichen des Kreuzes und mit dem Banner des heiligen Franziskus. Ihr habt einen Baum
gepflanzt. Ein Zeichen der Hoffnung und des Lebens.
Als Christen wissen wir, dass die Zeit zwischen dem Einzug in Jerusalem und dem Osterfest
geprägt war von Auseinandersetzungen mit Schriftgelehrten und Pharisäern, von der Vorhersage
der Verwüstung Jerusalems.

Auch unsere Pilger hatten auf ihrem Kreuzweg Auseinandersetzungen mit Menschen, die anders
denken und die immer noch überzeugt sind, dass technisch alles machbar und beherrschbar ist.
Aber Ihr habt auch viel Liebe, viel Verständnis, viel menschliche Wärme erfahren dürfen.
Und vor allem habt Ihr in den Gottesdiensten, den Andachten und Schweigezeiten - genau wie
ich an diesen letzten Abenden – dieses „den Frieden hinterlasse ich euch“ erfahren dürfen.

Und so habt Ihr dieses Kreuz getragen durch Karfreitagsleiden und Osterfreuden und
Pfingsthoffnung bis hierher. Kirche und Widerstand unterwegs: von Wackersdorf nach Gorleben.
Im Geiste Jesu, im Geiste Gandhis, unbeirrbar in dem Glauben, dass es der Geist ist, der Leben
und Frieden schafft und nicht die Macht, nicht die großen Taten und nicht die großen Worte.
Und so lasst mich schließen mit der „Klage über Jerusalem“ aus Lukas 19, gerichtet an
diejenigen, die für Wackersdorf und Gorleben politisch verantwortlich sind:

„Wenn doch an diesem Tage auch du erkenntest, was zu deinem Frieden dient!“