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Die Rede von Franz Alt zum 30jährigen Bestehen des Gorlebener Gebets
am Gorlebentag der KLP 2019

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Rede von Franz Alt zum 30jährigen des Gorlebener Gebets am Gorlebentag der KLP 2019
 

Seit 30 Jahren demonstriert ihr schon jeden Sonntag gegen Atomenergie und gegen Atomwaffen. Wenn ich kurz hochrechne: 30 Jahre lang jeden Woche einmal, dann komme ich auf über 1500 Veranstaltungen. Ich kenne keine andere Bürgerbewegung in Deutschland die so ausdauernd für ein wichtiges Ziel demonstriert. Es ist ganz wichtig dass ihr durchhaltet. (Wir schaffen das - höre ich hinter mir). In dem Punkt geben wir der Bundeskanzlerin völlig recht, wir schaffen das. Ohne solche Protestbewegungen hätte auch Angela Merkel nach Fukushima nicht die Kurve kriegt.

 Ich weiß wovon ich rede denn sie hat mich damals angerufen und gesagt als Physikerin hätte ich nicht für möglich gehalten, was ich drei Tage lang am Fernseher ansehen musste, was in Fukushima passiert. Und sie hat es natürlich auch gemacht aus Angst vor den Wählerinnen und Wählern. Der Grund warum sie es gemacht hat kann uns relativ egal sein. Wichtig ist sie hat es gemacht und die Kurve gekriegt. Liebe Freundinnen und Freunde, heute ist Freitag: auch an diesem Freitag waren wieder 100 Tausende junge Leute auf der Straße und haben für ein besseres Klima demonstriert. Auch dafür wart ihr Anreger. Ich sag's mal so, wenn wir Älteren den Jungen nicht jahrzehntelang vor gemacht hätten, dass war nicht alles hinnehmen muss, was von oben kommt, wären sie heute wahrscheinlich nicht auf der Straße. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr 30 Jahre lang diese Demonstrationen durchgehalten habt.

Liebe Freundinnen und Freunde: wir versammeln uns unter einem Kreuz. Dieser wunderbare junge Mann aus Nazareth auf den dieses Kreuz zurückgeht hat einmal gesagt, wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind bin ich mitten unter ihnen. Er war einer der ersten Querdenker und nicht nur Querdenker sondern auch Querhandelnder und deshalb musste er beseitigt werden. Heute macht man das einfacher, also wir werden nicht mehr ans Kreuz geschlagen, wir werden auch diffamiert, unter Umständen habt ihr auch Prügel bekommen von der Polizei, also so viel geändert hat sich nicht in den letzten 2000 Jahren. Wichtig ist, dass vor 2000 Jahren ein großer Friedensbewegter schon gesagt hat, wo zwei oder drei, hier müsste man sagen wo 200 oder 300, in meinem Namen versammelt sind da bin ich mitten unter ihnen. Und wenn die jungen Leute heute schon zu hunderttausenden , es waren am 15. März über 1 Millionen, es uns nachmachen, ist klar, dass jetzt exakt die Zeit gekommen ist, wo die Herrschenden nicht einfach das weiter machen können, was sie bisher gemacht haben im Sinne von Großkonzernen aber niemals im Sinn des Volkes, dass sie gewählt hat.

 Das ist eine Zeitenwende. Das ist ganz absehbar, dass die Altparteien abgestraft werden und eine relativ junge Partei plötzlich einen solchen Zuspruch bekommt, man muss sagen mehrheitlich erst bei den Jungwählern, noch nicht bei den Älteren. Altparteien sind zwar inzwischen Rentner Parteien, aber sie haben die Mehrheit. Es gibt Jungwähler das sind nur wenig Prozent an den Gesamtwählerinnen und Wähler. an die Alten haben immer noch die Mehrheit. Deshalb, diese neue Bewegung, die jetzt absehbar ist, ist wirklich erst am Anfang. Und ich denke, wir erklären uns solidarisch vom Gorlebener Gebet mit den jungen Leuten, die in der Bewegung Fridays Days for Future jeden Freitag auf die Straße gehen. Wir schlagen vor, dass all diese Bewegungen gegen Atomenergie, gegen Atomwaffen gegen den Wahnsinn, der jetzt wahrscheinlich aufkommt, durch die Gentechnik, für längere Laufzeiten der Kohlekraft und alles was wir noch überwinden müssen. Dass die Gruppen alle sich zusammenschließen und eine große Einheit bilden: Citizen for Future, die Jungen alleine schaffen es nicht, sie brauchen unbedingt unsere Solidarität. Das ist mir gestern wieder klar geworden als ich gestern auf der Zugfahrt hierher die Bild Zeitung gelesen habe. Die Bild-Zeitung hat gestern geschrieben, wir können hoffen auf eine Renaissance der Atomkraft. Eine ganz Reihe von CDU/CSU Bundestagsabgeordneten sei jetzt für die Verlängerung der Laufzeiten. Zu wissen 2022 soll Schluss sein nach Beschluss der Bundesregierung Merkel. Aber eine Reihe von Abgeordneten übrigens auch von der FDP, AfD sowieso, seien jetzt wieder, die Bild-Zeitung sagt, Gottseidank, für die Verlängerung der Laufzeiten, damit das Klima gerettet wird. Eine ganz besonders interessante Argumentation. Jetzt sollen plötzlich Atomkraftwerke das Klima retten. Meine Damen und Herren, der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken wäre die Rettung der atomaren Industrie und der Atomraketen aber nicht die Rettung des Klimas.

An diese Argumentation, die seit gestern in Deutschland wieder hoch offiziell diskutiert wird, und wir erleben es wird weiter diskutiert, wird klar, wie wichtig unsere Aufklärungsarbeit ist und dass wir nicht nachlassen dürfen. Für die nächsten Jahrzehnte weiter machen müssen zusammen mit den jungen Leuten, die jetzt aufgewacht sind. Und dann werden wir es schaffen, das Schlimmste zumindest zu verhindern. Es wird gesagt, wir brauchen längere Laufzeiten der Atomkraftwerke, weil Atomkraftwerke kein CO2 also kein Klimakiller ausstößt. Meine Damen und Herren, ich muss doch nicht für die Pest sein wenn ich gegen Cholera bin. Was ist das für eine Idioten-Diskussion!

Zwei Dinge bleiben völlig klar: Um das Klima zu retten, müssen wir erst mal die Kohlekraftwerke abschalten. Und zwar nicht erst 2038, wie die Kohlekommission der Bundesregierung beschlossen hat, sondern viel früher, so wie es die Fridays for Future Leute fordern, spätestens 2030 besser noch viel früher. Deutschland ist leider Weltmeister beim Verbrennen von Braunkohle. Und es kann kein Mensch einsehen, der sich jemals mit den Alternativen beschäftigt hat, dass wir noch weiter möglichst zwei Jahrzehnte Kohlekraftwerke brauchen in Deutschland. Meine Damen und Herren, die Alternativen sind soweit, dass wir lässig sich sagen können, nach dem Atomausstieg brauchen wir ganz rasch den Kohle Ausstieg! Nicht eine Verlängerung der Atomkraftwerke. Allein die Sonne, wir spüren sie gerade, schickt uns etwa 15.000 mal mehr Energie auf diese Erde, und zwar immer, 15.000 mal mehr, als die 7,7 Milliarden Menschen heute verbrauchen. Es gibt auf dieser Erde keine Energieproblem. Der liebe Gott war doch nicht doof, und die Evolution war nicht blöd. Alle Menschen auf dieser Erde können sich ausreichend mit Energie versorgen ohne Atomkraft und ohne Kohlekraft. Es geht zu 100 % anders, wenn man es wirklich, wirklich will! Das ist der entscheidende Moment. Da wird heute gesagt, wir brauchen vielleicht doch Atomkraft denn die Sonne scheint ja nicht immer. Aber wir sind ja nicht mehr Mittelalter, diese Sonne scheint natürlich immer. Richtig ist, sie scheint nicht überall. Da können gespeichert. Ich komme gerade von der InterSolar Messe in München. Es ist die größte Solarmesse der Welt. Die Technologie des Speicherns von Sonne oder Wind ist heute so preiswert, dass jeder, der eine Solaranlage auf dem Dach hat, sich gleich den Speicher für den Keller mit bestellen kann. Das ist immer noch billiger, als der Strom aus der Steckdose von den alten Atomkonzernen. Soweit sind wir heute:

Es gibt keine Argumente mehr für die alte Energiewirtschaft. Ich sage mal das Beispiel England, um deutlich zu machen, weil in Deutschland die Atom-Diskussion wieder hoch kommen wird. Je näher wir auf 2022 zugehen, auf den beschlossenen Ausstieg der Atomenergie, desto intensiver wird diese Diskussion in Deutschland geführt werden. Und dann verweist man oft auf England. Die Engländer haben beschlossen – klassisches Kohle Land – 2025 aus der Kohle Energie auszusteigen. Und dann wird gesagt, ja die haben ja noch Atomkraft, die können sich das leisten. Die englische Regierung hatte mal geschlossen zehn Atomkraftwerke zusätzlich zu bauen. Die sind längst abgekommen davon. Jetzt haben Sie noch den Beschluss, ein Atomkraftwerk zu bauen. Das geht aus ökonomischen Gründen nur, weil Brüssel das mit Milliarden unterstützt. Das rechnet sich gar nicht mehr auf, die alte Energiewirtschaft zu setzen. Was wurde in Deutschland geschimpft, auf die Einspeisevergütung der Solarenergie. Wie oft habe ich von meinem Nachbarn gehört, ich muss dein Solarkraftwerk auf deinem Dach bezahlen. Meine Damen und Herren, die Unterstützung für die alten Kohle- und Atomkraftwerke mit hunderten von Milliarden Euro war viel größer, als wir jemals für Solar- und Windenergie brauchen werden. Es ist einfach nicht wahr, dass die alte Energie preiswerter ist. Diese Argumente sind längst vom Tisch.

Zum Beispiel vor kurzem die marokkanische Regierung, (beim Frühstück, wo einige von euch dabei waren, darüber geredet, die haben das gesehen) ein riesiges Solarkraftwerk in die Wüste gesetzt. Diese Solarkraftwerk in Marokko liefert den Strom für 250.000 Menschen, Kilowattstunde Preis drei Cent! Was zahlen Sie für den Strom aus der Steckdose in Deutschland 25, 26, 0,27 €. Die Atom Energie wird vor allem aus finanziellen Gründen ein Auslauf Model sein. Abgesehen davon wenn der nächste Atom Unfall kommt, und der kommt, wenn wir so weitermachen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Jedes Atomkraftwerk ist ein laufendes Sicherheitsrisiko. Es gibt auch in Deutschland kein einziges, 100 % sicheres Atomkraftwerk. Und meine Damen und Herren, ich bin ganz sicher: alle 10.000 Jahre sollte mal etwas passieren, haben Fachleute gesagt. Alle zehn Jahre ist etwas passiert an Atomkraftwerken. Sie sehen so schnell vergeht die Zeit. Meine Damen und Herren, Atomkraft ist ein Auslaufmodell. Ich hoffe bald auch in Deutschland ist Kohlekraft ein Auslaufmodell. Die jungen Leute helfen uns dabei, dass es weit schneller gehen wird, als 2038 und ich gehe jede Wette ein: es wird schneller gehen als 2038. Es muss und es wird schneller gehen.

Meine Damen und Herren, ich bin kein geborener Atomkraftgegner. Übrigens auch kein geborener Kohlekraftgegner. Mein Vater war Kohlenhändler, also ich komme aus der alten Kohlewirtschaft. Und ich war 28 Jahre CDU Mitglied und ich habe wie die meisten CDU Mitglieder an die Atomenergie geglaubt bis Tchernobyl. Und nach Tschernobyl habe ich kennen gelernt den Chef der Aufräumarbeiten in Tschernobyl - übrigens ein glühender Anhänger der Atomkraft. Bis ihm der Unfall von Tschernobyl selbst getroffen hat. Gorbatschow hat dann diesen Professor Tschernousenko zum Chef der Aufräumarbeiten gemacht. Und er wurde natürlich verstrahlt. Anfang 50, und sein Doktor sagte, sie haben noch fünf Jahre. Er hatte Krebs. Und dann, erst dann wurde er zum Gegner. Er ist um die ganze Welt gereist und hat Vorträge gegen Atom Energie gehalten. Er hatte zwei Generationen Studenten in der Atomtechnik hinein geführt. Es musste ihn erst selbst treffen, bis er aufgewacht ist. Und mit diesem Professor Wladimir Tschernousenko habe ich damals in der ARD eine große Sendung vor einem Millionen Publikum gemacht. Und da sagte ich, natürlich war ich noch ein Anhänger der Atomenergie, Wie viele damals gesagt haben, aber die deutschen Atomkraftwerke sind doch viel sicherer als die russischen oder damals als die sowjetischen Kraftwerke. Da sagte er, ja Herr Alt, da haben Sie recht, aber wissen Sie, was das bedeutet? Die Deutschen (Atomkraftwerke) werden dann etwas später explodieren. Und dann sagte er, bitte ein Atomphysiker und glühender Anhänger der Atom Energie, bis es ihn in Tschernobyl erwischt hat, es gibt auch in Deutschland oder auf der ganzen Welt kein einziges 100 % sicheres Atomkraftwerk. Jedes Atomkraftwerk auch jedes Deutsche hat ein atomares Restrisiko. Und dann sagte ich, was heißt das denn Herr Professor, atomares Restrisiko? Und Prof. Tschernousenko sagte, das ist ganz einfach: atomares Restrisiko, ist jenes Risiko, das uns jeden Tag den Rest geben kann, deshalb heißt das so.

Meine Damen und Herren, und dann bin ich aufgewacht, aber erst dann. Wenn man das einmal begriffen hat, dass jedes AKW ein Restrisiko hat, und morgen uns treffen kann, dann kann man doch nicht länger für Atomenergie sein. Und dann kommt die Entsorgungsfrage dazu, Sie wissen, es gibt kein einziges Endlager auf der Welt. Wir wissen nur eines, der Müll strahlt etwa, das weiß man hier, eine Million Jahre. Ich war mal so leichtsinnig, bei Maischberger die Frage zu stellen, was kostet es eigentlich einen Pförtner zu bezahlen, der 1 Million Jahre ein Atomkraftwerk zu bewachen hat. Ein deutscher Mathematik Professor fing sofort an zu rechnen. Und er hat ausgerechnet, wenn dieser Pförtner im Monat 3000 € verdient - wir haben eine Inflationsrate weltweit von etwa 2 % - eine Millionen Jahre, dann kostet uns ein Pförtner mehr Geld als die gesamte Menschheit heute Geld hat. Billiger Atomstrom? Meine Damen und Herren, das ist das größte Politmärchen, das ist der Menschheit je erzählt wurde. Nichts ist so teuer, und so gefährlich, als weiter auf Atomkraft zu setzen. Und es ist schon gar nicht zu verantworten, wenn wir wissen, wie die Alternativen aussehen. Und die Alternativen, die millionenfach erprobt sind, immerhin im Jahre 2019 laufen in Deutschland auch heute auf über 1 1/2 Millionen Dächern Solaranlagen. Wir haben heute im Frühjahr 2019 Tage gehabt, an denen wir mehr erneuerbaren Strom produziert, als ganz Deutschland insgesamt verbraucht hat. Wir haben in den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 im Schnitt 46 % Ökostrom produziert. Wir waren im Jahr 2000 bei 5 %! Im letzten Jahr im Schnitt bei 40 %. Anfang diesen Jahres bei 46 %. Da kann doch kein Mensch mehr sagen, das geht nicht. Und wir brauchen Atomkraft, oder länger Kohlekraftwerke. Es ist längst bewiesen, die 100-prozentige solare Energiewende ist möglich und nötig. Das kann in zehn Jahren geschehen, wenn es politisch gewollt wird. Und dafür müssen wir kämpfen. Denn eines ist auch klar: solange es Atomkraftwerke gibt wird es Atombombe geben. Bin in Atomkraftwerken entsteht der Stoff, aus denen die Atomindustrie dann Atombomben bauen kann. Hätten wir keine Atomkraftwerke könnte es keine Atombombe geben. Habt ihr euch schon jemals gefragt, warum die Franzosen sich so schwer tun mit dem Ausstieg aus der Atomenergie - sie haben immer noch 70 % Atomstrom. Ja, denen fällt es viel schwerer als uns, warum, weil wir Gottseidank keine Atombombe haben. Solange Herr Trump in Amerika, Herr Putin in Russland, Herr Xi in China, Herr Kim in Nordkorea oder Israel auf Atombomben setzen, brauchen Sie Atomkraftwerke, weil nur dort der Stoff abfällt, den man braucht um Atombombe zu bauen. Dieser Zusammenhang ist vielen Menschen gar nicht klar, sonst wären die AKW Bewegungen viel stärker als sie es heute sind. Also dieses Argument müssen wir in die Öffentlichkeit immer wieder hineintragen. Den Atombombenausstieg, also die atomwaffenfreie Welt können wir nur schaffen, in dem wir vorher die Atomkraftwerke stilllegen. Und zwar muss das auf der ganzen Welt geschehen, und dann kann der Traum, von der junge Mann aus Nazareth wahrscheinlich geträumt hat, …


 

Selig sind die Friedensstifter - Eine Welt ohne Atomwaffen heißt das ganz konkret und praktisch erst Realität werden.

Ich habe aus der Bergpredigt dieses jungen Mannes aus Nazareth drei Dinge gelernt, die heute unendlich aktuell & wichtig sind.

  1. Selig sind die Friedensstifter auf der Welt

  2. Selig sind die die auf der Welt für mehr Gerechtigkeit arbeiten

  3. Selig sind die die an der Bewahrung der Schöpfung arbeiten

Das sind auch eure Lösung gewesen Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfung bewahren.

Es kann doch nicht sein, dass wir weiterhin in einer Welt leben wollen in der jeden Tag 20.000 Menschen verhungern obwohl wir in einer sehr reichen Welt leben. Das wird sich die Menschheit im Zeitalter der Kommunikation der raschen Kommunikation auf Dauer nicht bieten lassen. Wieso wundern wir uns eigentlich über Flüchtlingsströme aus Afrika. Die sind eben darüber informiert dass wir hier Möglichkeiten haben die sie da nicht haben. Und wir Deutschen vor 150 Jahren als es eine große Hungersnot und unvorstellbare Massenarbeitslosigkeit gab Sind ausgewandert nach Amerika nach Kanada nach Brasilien nach Argentinien wo ist heute überall deutsche Siedlungen gibt. Genau das machen die Afrikaner heute und aus Kriegsgebieten. Wenn wir den Klimawandel heute nicht stoppen, während der Flüchtlingsströme bekommen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Klima Flüchtlinge – in Afrika sind heute bereits 18 Millionen Klima Flüchtlinge unterwegs noch in Afrika.

Damen und Herren, wo sitzen denn die Verursacher dieses Klimaproblems? Hier bei uns in den reichen Ländern. Wir fahren die 10 l Autos wir betreiben wir betreiben Atomkraftwerke, wir verheizen Öl. Der Klimawandel ist unser Problem und nicht das ist der Afrikaner. Ein Afrikaner verbraucht durchschnittlich 1/40 der Energie eines Deutschen. Und wir haben ein geistiges Gesetz vergessen, unter dem wir alle leben. Dieses geistige Gesetz heißt: ihr könnt nur ernten was ihr sät. Das hat uns Mutter gesagt, das hat uns Jesus gesagt, das hat uns dann Mahatma Gandhi gesagt oder Albert Schweitzer. Alle Großen haben uns an dieses geistige Gesetz erinnert: ihr könnt nur ernten was ihr sät. D.h. der Kohlekraftwerke betreibt bekommt Klima Flüchtlinge. Der Atomkraftwerke betreibst bekommt Atomunfälle. Das ist ein logisches Gesetz, das geht nicht anders. Wird 10 l Autos fährt bekommt Klima Flüchtlinge. Das sind geistige Zusammenhänge die wir alle verdrängt haben die wir nicht wahrhaben wollen. Deshalb ist es wichtig, dass und solidarisieren mit den jungen Leuten die bei Fridays for Future auf die Straße gehen. Und es ist eine Sechzehnjährige Greta aus Schweden, ein behindertes Mädchen, das uns gezeigt hat, dass wir letztlich viel mächtiger sind als wir glauben. Dieses junge Frau ging auf die Straße und hat sich Freitag für Freitag allein am Anfang, ganz allein, bis die ersten mit Schüler dazu kamen, vor den Reichstag in Stockholm gesetzt. Und heute ist es eine weltweite Bewegung. Weil ein junges Mädchen, eine junge Frau die Idee hatte, weil Klima Erhitzung zum können wir uns nicht weiter bieten lassen. Wir machen Schulstreiks gegen Klimaerhitzung. Die Idee einer einzelnen jungen Frau - heute eine Welt Bewegung. Ich habe öfter, wenn man 80 ist erlebt man solche Dinge öfter. Ich habe öfter solche Umkehrerlebnisse erlebt bei mir selbst.

Tchernobyl habe ich vorhin gesagt. In einer Fernsehsendung mit dem Wladimir Tschernousenko der selbst erst getroffen werden musste, bis er aufwachte, hat mich aufgeweckt oder ich habe einmal erlebt dass aufwecken oder aufwachen einer deutschen Bundeskanzlerin nach Fukushima, rief mich Frau Merkel an und sagte: Herr Alt mir geht es jetzt ähnlich wie Ihnen nach Tschernobyl. Ich sagte Frau Bundeskanzlerin wollen Sie aus der CDU austreten? Nein hat sie gesagt aber aus der Atom Energie. Da habe ich gesagt, das nehme ich Ihnen nicht ab. Weil jetzt in Baden-Württemberg unmittelbar nach Tschernobyl die Grünen gewählt wurden und ein grüner Ministerpräsident kam, machen Sie das aus wahltaktischen Gründen. Da hat sie gesagt, Herr Alt besuchen Sie mich mal im Kanzleramt. Und wir haben lange geredet und ich habe ihr immer wieder gesagt wie die Politik läuft, Frau Merkel sie machen das nur aus wahltaktischen Gründen, sie wollen wieder gewählt werden. Zu spüren sich jetzt, Sie müssen raus aus der Atomenergie. Da hat sie mir folgendes gesagt: Herr Alt wenn Sie mir – und ich hab Ihr noch gesagt, vor einem halben Jahr haben Sie gesagt, wir brauchen längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke. Wie wollen Sie denn die Partei überzeugen? Ich war ja selber. Da hat sie gesagt, Herr Alt, meine Partei ist mir in diesem Punkt völlig egal. Mit Bier gibt es keine Atomkraft mehr. Sie war überzeugt, weil sie erst Fukushima erleben musste und sie blieb dabei.

 Frau Merkel habe ich  das schließlich abgenommen. Genau so konsequent wie sie in der Flüchtlingsfrage war. Ich muss immer sagen, wenn etwas Positives passiert, sage ich das genauso weiter, wie bei den Dingen, die nicht funktionieren. Es ist ganz wichtig dass wir solche Umkehrprozesse, egal bei wem, ernst nehmen oder, jemand den viele von ihnen sicherlich verfluchen, Ernst Albrecht. Ich habe folgendes erlebt in seinem Privathaus in der Nähe von Hannover. Da hat er mich eingeladen in den Achtzigern als 100.000 Leute hier demonstriert haben. Ein Sonntag um 14:00 Uhr sollte ich ein Interview machen für meine Report Sendung. Ernst Albrecht verspätete sich, landete mit seinem Hubschrauber 1 Stunde später als vereinbart in seinem Garten auf einer Wiese und stieg kreidebleich aus dem Hubschrauber aus. ich sagte, Herr Albrecht was ist denn los mit Ihnen. Er sagte: ich habe ein Erlebnis gehabt das haut mich um. Ich habe von oben aus dem Hubschrauber die 100.000 Demonstranten gesehen und mir wurde klar, wenn ich Gorleben durchsetzen will, muss ich schießen lassen. Als Christ kann ich das nicht. Gorleben wird nichts. Albrecht vor über 30 Jahren: Ich muss meine Politik ändern. Klar geworden, als er über die Demonstration flog und er gesehen hat, wie ernst es diese 100.000 meinten, die damals gegen Gorleben und die Albrecht-Pläne protestiert haben und Albrecht war in der CDU - am Schluss der späte Albrecht - einer der größten Gegner von Atomenergie. Das heißt, Umkehrungen finden statt. Das was dieser junge Mann aus Nazareth vorgeschlagen hat: Kehrt um! Umkehr ist immer möglich auch ganz oben oder bei uns unten, so wie ich das erfahren habe. Wichtig ist, in den nächsten Monaten so zu argumentieren, dass wir dieses neue Argument - ganz so neu ist es nicht aber es wird eine große Rolle spielen - „wir brauchen wieder längere Laufzeiten der Atomkraftwerke, um das Klima zu schützen“, glatt widerlegen. Wir müssen uns wehren, gegen ein atomares Wettrüsten, das gerade wieder beginnt.
 

Ich habe ein kleines Buch gemacht mit Michael Gorbatschow, weil uns beiden klar war, was wir mal erreicht haben beim atomaren Abrüsten, was jetzt durch Herrn Trump, Herrn Putin, Herrn Xi, Herrn Kim und viele andere - also wir haben neun Atomwaffenstaaten und es werden immer mehr - wieder infrage gestellt wird. Es war ja Michael Gorbatschow, der als Erster begriffen hat, was Politik der Bergpredigt heißt, und er wollte abrüsten. Gorbatschow wollte alle Atom Waffen abschaffen. Er hat das in diesem Buch begründet. In Reykjavik wo er sich mit Herrn Reagan traf - Reagan war ja kein geborener Pazifist wie man weiß - hat er vorgeschlagen wir schaffen alle Atomwaffen ab. Wir wollen eine atomwaffenfreie Welt. Reagan hat damals gesagt, ich setze das bei meinen Hardlinern nicht durch. Dann haben sie beschlossen, 80 % der gefährlichsten Atomwaffen in Europa abzuschaffen, ein großer Durchbruch. Und jetzt fangen Herr Trump, Herr Putin und Herr Kim - und wie sie alle heißen - an, den Wahnsinn von vorne zu beginnen.

Immerhin – haben voriges Jahr in der UNO 23 Länder beschlossen eine atomwaffenfreie Welt – Das ist die Mehrheit. Also auch den Atombombenfuzzis werden die Bäume also auch nicht in den Himmel wachsen. Wir haben eine Mehrheit für eine atomwaffenfreie Welt, allerdings sind wir noch lange nicht am Ziel. Sie versuchen gerade wieder, den Spieß umzudrehen. Lasst uns dafür kämpfen, im Sinne Dessen, auf den wir Christen uns berufen - im Sinne des jungen Mann von Nazareths - keine Atomwaffen und keine Atomkraftwerke weil diese Dinge ja zusammen hängen. Wir müssen weiter kämpfen, wir sind zwar weit gekommen, aber aber lange nicht am Ende unser Kampf ist unendlich wichtig. Ich habe in diesem kleinen Büchlein Michael Gorbatschow gefragt, was wäre denn heute bei einem Atomkrieg und Gorbatschow wörtlich: ein Atomkrieg wäre wahrscheinlich der letzte Krieg in der Menschheitsgeschichte. Wenn es danach keine Menschen mehr gebe die noch einen Krieg führen könnten. Ich fürchte diese Szenario ist sehr realistisch. Wir haben heute noch immer die Möglichkeit, uns gegenseitig mindestens zehn mal auszulöschen – welch ein Wahnsinn!

Welch ein Hohn auf Homo sapiens, der in Wirklichkeit natürlich Homo Dummkopf ist. Wenn es ihnen gelingt, Atomwaffen zu bauen, er aber nicht fähig ist Atomwaffen wieder abzuschaffen. Das ist ein Hohn auf das, was wir Homo sapiens nennen - ein Hohn auf unsere Vernunft. Ich habe eines gelernt, in dem langen Leben, dass ich nun führen darf: ohne Vernunft, kommt die Menschheit niemals zum Verstand. Es ist zentral wichtig, dass wir über das, was wir können, hinausgehen und immer fragen: dürfen wir das auch, was wir können! Rein technisch gesehen, rationalistisch gesehen, ist natürlich der Bau einer Atombombe eine tolle Geschichte. Nur – wenn wir etwas machen aber nicht zurückholen können, wird das die große und letzte Katastrophe sein. Das selbe gilt für die Gentechnik wir haben einmal den Riesenfehler gemacht bei der Atomtechnik zu einer Technologie ja zu sagen , ohne an das Ende zu denken. Wir wissen nicht, wohin mit dem Müll. Das ist das große Thema für uns. Und das darf kein zweites mal passieren. Ich habe Fernsehsendungen gemacht, mit den bedeutendsten Gentechnik an die wir haben und Keiner hat mir sagen können, wohin das führt. Alle haben gesagt, Ergebnis absolut offen. Wenn sie in die Erbanlagen des Lebens eingreifen, kann das sogar schlimmer sein, als beim Atom Müll, der nach 1 Million Jahre vielleicht nicht mehr strahlt. Ein Eingriff in die Keimanlagen des Lebens, Sind nicht mehr Rückholbar sagen sogar die prominentesten Befürworter der Gentechnik. Solange das so ist, dürfen wir das nicht zulassen. Das zumindest müssen wir aus den Fehlern lernen, die wir bei der Atomtechnik gemacht haben, sowohl bei den Atombomben als auch bei den Atomkraftwerken. Liebe Freundinnen und Freunde: die Lösung des Energieproblems steht am Himmel. Ich habe neulich den Ministerpräsidenten von Island kennengelernt. Er hat mir gesagt, sein Land werde heute schon zu 98 % komplett nicht nur im Strombereich, sondern auch bei Energie, Wärme, beim Verkehr und in der Landwirtschaft zu 98 % erneuerbar versorgt. In Latein Amerika gibt es Costa Rica - 100 % erneuerbar. Nachdem Marokko eine so tolle Solaranlage gebaut hat, vom König eingeweiht, und die jetzt ganz billig Strom macht - Solar Strom – der Wirtschaftsminister von Ägypten gesagt, wir bauen jetzt eines, das ist zehnmal größer als das Marokkanische. Und dann habe ich ihn gefragt, was heißt das preislich? Können wir das überhaupt bezahlen? Und da sagte er: ja, die Solar Kilowattstunde Strom kostet dann zwei Cent - zwei Cent. Daraufhin hat vor einigen Wochen die saudische Regierung angekündigt, wir bauen ein noch größeres Solarkraftwerk. Meine Damen und Herren dieses Solarkraftwerk mit 200 Gigawatt soll im Jahre 2028 Siebzig Atomkraftwerke ersetzen.

Sie haben richtig gehört: ein Solarkraftwerk kann 70 Atomkraftwerke ersetzen. Die wollen halb Arabien damit versorgen. Und da frage ich ihn was wird das kosten? Das wird von einigen Reichen, die haben ja mit Öl viel Geld verdient, Oder japanische Milliardäre finanzieren das ebenfalls, die Scheichs sagen: Wir werden dann Strom produzieren, für einen Cent. Und da können wir alle alten deutschen Braunkohle- und Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke vergessen. Wir müssen endlich lernen, die Folgekosten der alten Energiewirtschaft mit zu bedenken - dann ist das alte sowieso vorbei. Aber es wird uns immer noch gesagt, das wäre billig und wir müssen leider immer noch auf die alten Energien setzen. Das ist das größte Märchen, was uns je aufgetischt wurde. Wir brauchen in dieser Zeit, in Atomkraft Zeitalter, das elfte Gebot. Dieses elfte Gebot heißt: du darfst den Kern nicht spalten! Weil hier ein Eingriff in die Schöpfung geschieht, die wir nie wieder Rückholen können. Und deshalb ist euer Kampf so unendlich wichtig, weil dann die Deutschen immer wieder daran erinnert werden (und auch viele andere – Gorleben wird auch im Ausland beachtet kann ich euch versichern), weil hier nach 30 Jahren Kampf immer wieder deutlich wird: jedes Atomkraftwerk und jeder anfallende Atommüll ist ein Angriff auf die Schöpfung. Das dürfen wir zumindest als Christen oder als Menschen, die Verantwortung haben für ihre Kinder und Enkel (da muss man gar nicht Christ sei) einfach nicht zulassen. Ich glaube Eltern an vorderster Front im Kampf für die Zukunft ihrer und Enkel. Deshalb diese Zusammenhänge, dass wir lernen solidarisch mit den Jüngeren, die jetzt auf die Straße gehen, uns zu verbinden und mit denen zusammen für eine bessere Welt zu kämpfen. Der Appell, denn dieser junge Mann aus Nazareth heute an uns richten würde, wäre in erster Linie (er hätte wahrscheinliche keine Chance, im Vatikan predigen zu dürfen - also wenn schon Eugen Drewermann im Vatikan und in deutschen Kirchen nicht predigen darf - hätte Jesus von Nazareth noch weniger eine Chance). Nicht die heutigen Kirchen, machen ja weitgehend - Entschuldigung die anwesenden Pfarrer - aber ich weiß wovon ich rede - die heutigen Kirchen, die sehr verbürgerlicht sind, machen ja Kirchenpolitik nach dem Motto, wir kämen ja eigentlich mit der Kirchensteuer ganz gut hin, wenn dieser Störenfried aus Nazareth nicht wäre. Und ich denke das hat dieser Jesus von Nazareth nicht verdient. Er wäre heute bestimmt eher auf einem Flüchtlingsschiff als im Vatikan Oder wenn es der Papst Franziskus schon schwer hat im Vatikan dann hätte es Jesus von Nazareth noch schwerer. Und Er wäre heute bei uns und er ist wahrscheinlich heute auch unter uns und er ist genau bei denen, die diese Friedensbotschaft, diese Botschaft für eine bessere Welt, die in der Bergpredigt grundgelegt ist, verstanden haben. Mit der Bergpredigt kann man Berge versetzen würde er heute sagen. Allerdings wir müssen daran mitarbeiten. Von alleine kommt nichts. Der Frieden oder das Abschaffen der Atomkraft oder das Abschaffen der Atombomben fallen nicht vom Himmel. Kämpfe - dafür sind wir da. Ihr Kampf in der Atomkraft ist deshalb im Sinne Jesu geliebte und praktizierte Religion im besten Sinne des Wortes. Das hat der junge Mann aus Nazareth gemeint: keine fromme Sprüche sondern tut etwas. Ich habe mal den Dalai Lama gefragt: was ist denn für Sie heute Religion? Da sagt der Dalai Lama: Religion - es gibt nur eine Religion. Vergesst alles Christentum, Islam, Judentum und alle anderen Religion. Vergesst das alles. Ich erkenne nur eine wirkliche Religion, sagt der Dalai Lama: Ein gutes menschliches Herz.

Das hat mit Konfessionen, mit den ganzen Streitereien und dem wahren Glauben oder so etwas überhaupt nichts zu tun. Wenn dieser Jesus von Nazareth mit erleben müsste, was alles in seinen Namen schief läuft auf dieser Erde bis hin zu Kriegen, könnte er sich nur noch im Grabe umdrehen. Meine Damen und Herren, wenn es uns gelingt Ethik und Technik - und wenn ich das, was hier unter diesem Kreuz geschrieben ist, richtig verstehe - ist das der Versuch, Ethik und Technik zusammenzubringen. Wenn uns das gelingt, wenn wir eine ökologische Ethik schaffen, dann werden wir das Schlimmste noch verhindern können . Auch der Klimawandel ist noch zu verhindern, sagen uns alle Wissenschaftler. Allerdings ewig Zeit haben wir nicht. Wir haben vielleicht 10, 15 - 20 Jahre Zeit. In diesem Zeitraum muss es uns gelingen den 100-prozentigen Umstieg auf erneuerbare Energie zu organisieren. Vor 20 Jahren habe ich in meinen Sendungen Häuser vorgestellt die mir Energie produzieren als sie verbrauchen. Man kann sogar noch seine Nachbarn beliefern. Auch ein Elektroauto fahren wenn du unbedingt ein Auto zum fahren brauchst. Wir haben alle Möglichkeiten der Welt ist intelligenter zu machen. Es gibt immer Alternativen. Es ist nicht wahr das ist keine Alternative gibt. Mein Damen und Herren, alle Probleme die Menschen geschaffen haben, sind auch von Menschen lösbar; das ist meine Lebenserfahrung. Deshalb lohnt es sich, für eine bessere Welt weiter zu kämpfen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg Bei dieser unendlich wichtigen Aufklärungsarbeit die er leistet und ich wünsche euch ganz nebenbei Viel Lust auf Zukunft! Herzlichen Dank

 

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Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers schreibt auf Ihrer Homepage:

Gorleben-Widerständlerin Marianne Fritzen stirbt im Alter von 91 Jahren

 

Lüchow (epd). Die langjährige Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Marianne Fritzen, ist tot. Sie starb in der Nacht zu Montag einen Monat vor ihrem 92. Geburtstag, wie die Initiative am Montag mitteilte. Wie kaum eine andere Person habe Fritzen den Protest gegen die Gorlebener Atomanlagen geprägt. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) würdigte das jahrzehntelange Engagement der Aktivistin.

1973 beteiligte sich Fritzen an der Gründung der Bürgerinitiative, bis 1982 war sie deren Vorsitzende, später übernahm sie den Ehrenvorsitz. Bis zu ihrem Tod war sie im Vorstand des Gorleben-Archivs aktiv. Regelmäßig nahm sie auch am "Gorlebener Gebet" teil.

Hendricks sagte, mit Fritzen verliere Deutschland einen Menschen, der "wie wenige andere sein Leben dem Widerstand gegen den Irrweg der Atomkraftnutzung" gewidmet habe. "Das Bild von der kleinen tapferen Frau mit der Strickmütze, die sich von den behelmten Polizisten um sie herum nicht einschüchtern lässt, wurde zur Ikone der Bürgerbewegung gegen Atomkraft und Atommüll in Gorleben."

Fritzen habe das verkörpert, was gewaltfreien Widerstand ausmache, fügte Hendricks hinzu: "Entschlossenheit, Mut und Ausdauer." Sie sei unnachgiebig in der Sache, aber immer zum Gespräch mit ihren Gegnern bereit und in der Lage gewesen. Die Anti-Atombewegung, aber auch die Gesellschaft insgesamt hätten ihr viel zu verdanken. "Ich verneige mich vor einer großartigen Frau, vor einem warmherzigen Menschen", sagte Hendricks.

Ende der 1970er Jahre gehörte Fritzen auch zu den Mitbegründern der Grünen Liste Umweltschutz in Niedersachen. Für die spätere Partei engagierte sie sich zunächst als Kommunalpolitikerin im Kreistag von Lüchow-Dannenberg und im Samtgemeinderat Lüchow. 2000 brach sie mit den Grünen und verließ die Partei aus Protest gegen den Atomkonsens, den die damalige rot-grüne Bundesregierung mit den AKW-Betreibern ausgehandelt hatte. 2010 erhielt sie den mit 10.000 Euro dotierten Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms würdigte Fritzen als "die große Frau mit politischem Weitblick und Instinkt in der Anti-Atom- Bewegung". Sie habe dieser Bewegung immer wieder Orientierung gegeben.

Dieter Reckers vom Koordinationskreis des "Gorlebener Gebetes" sagte dem epd, Fritzen habe die wöchentlichen Andachten "durch ihre Persönlichkeit und viel Herzblut bereichert". Die "Gorlebener Gebete" werden seit 1989 an jedem Wochenende im Wald an den Gorlebener Atomanlagen gefeiert.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Rolf Adler Umweltbeauftragter der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers schreibt:

Lügen muss man Beine machen. Zum Tode von Marianne Fritzen

"Jaaa!?" Wenn Marianne Fritzen einer Einschätzung von mir nicht folgte, kam nicht sofort Widerspruch. Sie dehnte ein fragendes „Ja??“, sah mir in die Augen und ich wusste, hier musst du noch Überzeugungsarbeit leisten oder besser: dich und deine Überzeugung selbst prüfen. Und dann war da noch dieses „Sie müssen aber auch mal…“, oder „Sie müssen aber noch…“.

Stets ein Aufgabenpaket unter dem Arm und im Kopf, konnte einen diese Frau nicht einfach gehen lassen. Sie wusste zu viel, hatte zu viel gesehen und erfahren. Und alles war in ihrem wachen Verstand konzeptionell verdichtet und drängte zur Tat.

Es blühten zu viele Verbesserungsvorschläge in ihrem Herzen, als dass sie einen hätte einfach nach Hause gehen lassen können. Die Welt musste bewegt und verändert werden. Es gab viel Anlass zu Widerstand und Protest. Der Mainstream, wie man heute sagen würde, war ihr suspekt. Sie sah überall Gelegenheit, Barrikaden zu errichten, gegen die Unvernunft der Masse, gegen die Gier der Profiteure und gegen das Establishment auf überörtlicher und lokaler politischer Bühne. Solche Barrikaden mussten nicht aus Baumstämmen oder Strohballen oder Sand oder Steinen sein.

Geist war ihr auch eine willkommene Masse, mit der Mensch Politik machen konnte. Sie konnte sich mit dem Megafon spontan vor eine große Menge stellen und eine Überzeugung nach der anderen weitersagen. Sie konnte in kleinem Kreis auf den Strohballen hellwach und meisten kritisch-bissig kommentieren, was nicht in ihre Vorstellung von besserer Politik passte. Sie konnte aber auch irgendwie die Mutter sein, nicht nur die „Mutter des Widerstandes“ (wobei ich diese Metapher schon ein wenig respektlos empfinde), sondern auch die des zweifelnden Bürgers, der sich bei herannahender Polizeiübermacht ängstlich fragte, ob er bleiben sollte oder der zweifellos nahenden Konfrontation mit den sog. „Ordnungsmächten“ ausweichen. Natürlich sollte er bleiben, so die klare Orientierung von Marianne Fritzen. Natürlich, denn alles andere wäre Verrat an der gemeinsamen Sache. Gorleben war für sie eine in Hinterzimmern und Hintergrundgesprächen ausgeheckte Sauerei. Nicht zu verantworten. Nicht vernünftig und schon gar nicht legitim. Darum musste es ja auch mit Gewalt durchgeprügelt werden, weil das Konzept eine einzige Lüge war. Und nur die Wahrheit bahnt sich selbst ihren Weg, Lügen muss man Beine machen, notfalls mit Polizei und Staatsanwaltschaft. Lügen jedweder Art werden es ohne diese Frau nun leichter haben. Da ist jemand gegangen, den man nicht so leicht täuschen konnte.

Und so hoffe ich, dass viele sich berufen fühlen, ein Aufgabenpaket von Marianne auf- und anzunehmen. Als Erbe, als Zumutung und als Hoffnungspaket im Namen dieser Kämpferin. Zu ihrem Leben allerdings gehört kein langgedehntes, fragendes Ja, sondern eines mit einem dicken Ausrufezeichen! 

Rolf Adler Umweltbeauftragter der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Liebe FreundInnen des Gorlebener Gebets,

als ich in den 80-er Jahren die KURVE Wustrow kennen lernte, begegnete mir
durch einen engagierten evangelischen Pastor zum ersten Mal der Gedanke,
dass
Beten und Widerstehen zusammengehören.

Ich habe das Gorlebener Gebet immer wieder als Ausdruck dieser Einheit erfahren
und deshalb schätzen gelernt. Einige Male durfte ich selber mitwirken. Besonders
in Erinnerung geblieben ist mir ein Pfingstsonntag, als meine Tochter Birgit und ich
den göttlichen Geist pantomimisch und tänzerisch dargestellt haben, der die Menschen
bewegt und befreit.

Im Juni 2012 stand das gemeinsam mit pax-christi-Freundinnen gestaltete Gebet
unter der Überschrift „In Frieden leben mit der Schöpfung und dem Schöpfer“.

Kürzlich habe ich in einem Kurs für kreatives Schreiben die Gorlebener Kreuze
gewählt, als wir einen Ort beschreiben sollten, der uns auf unserem jeweiligen
„geistlichen Weg“ wichtig geworden ist. Mein Text:

>> Eine kleine Waldlichtung,
terrassenförmig angelegt,
ganz in der Nähe des „Erkundungsbergwerks“,
vorgesehen für den Atommüll – bis in Ewigkeit.

Große, einfache Holzkreuze.
Mal 5, mal 50 Personen sind sonntags dort versammelt.
Manchmal Sonnenstrahlen, manchmal Nebel,
immer Tannenduft;
die Erde kühl oder warm.
In der Mitte ein Blumenstrauß.

Wir hören Glaubenszeugnisse ganz unterschiedlicher Art,
auch Klagen über die Zerstörung der Natur.
Wir danken für die Schönheit der Schöpfung
und bedenken unsere Verantwortung, sie zu bewahren.

Wir singen Lieder der Ermutigung und des Vertrauens.
Oftmals die Einladung zu einer Aktion.

Beten und Handeln gehören zusammen.<<

Diese Verbindung von „Aktion und Kontemplation“motiviert mich,
immer wieder am Gorlebener Gebet teilzunehmen. Ich habe ein Bild dafür gefunden:

Mystik und Politik sind wie Einatmen und Ausatmen.

Erst beides zusammen macht einen Atemzug aus.
Wer nicht einatmet, dem fehlt der Sauerstoff, der den gesamtenOrganismus versorgt.
Er erstickt und stirbt. Wer nicht ausatmet, der hyperventiliert, fällt in Ohnmacht.
Wir müssen „einatmen“: uns unseres Glaubens an den Gott der Liebe vergewissern
und an seine Verheißung erinnern, dass die Mächte des Todes nicht das letzte Wort
haben werden.

Wir müssen „ausatmen“: reden und handeln in Gesellschaft und Politik,
mit kräftiger Stimme und mutigen Taten.Wenn wir an eine Zukunft glauben,
ie über die heutige Welt und ihre ungerechten Strukturen hinausweist,
dann dürfen und können wir auch entsprechend handeln:

einen neuen Lebensstil fördern, neue Erfahrungen der Gemeinschaftund des Glücks
im Alltag stiften - allen „Sachzwängen“ zum Trotz.

Veronika Hüning, Gescher


Protokoll
zum Ausdrucken hier ein Link:   Protokoll Jahresversammlg.GG 2017-1.pdf

Protokoll der Jahresversammlung Gorlebener Gebet am 09.04.2017

1. Begrüßung der 18 Teilnehmenden. Liste siehe Anlage. Christa Kuhl begrüßt die Anwesenden und bedankt sich für ihr Erscheinen. Karin Mehnert erklärt sich als Protokollführerin bereit.
Es wurde eine Grußkarte mit Genesungswünschen an Rudi Sprössel geschrieben.

2.Stilles Gedenken an Lieselotte Drude, die am 4.1.2017 verstarb. Sie war mit ihrem Mann Friedrich Drude eine treue Mitarbeiterin der Initiative Gorl. Gebet. Anlässlich ihresTodes ist auf Wunsch der Familie Drude eine Spende an die „Heimstatt Tschernobyl“ überwiesen worden.

3. Andachten
Besondere Andachten

Am 13.05.2016: Gorleben-Tag der KLP mit dem Chor von Raaja Fischer
Baumpflanzung am Platz unter den Kreuzen in Gedenken an Marianne Fritzen (eine Eiche wurde von der Familie von Bernstorff gespendet).

Am 22.05.2016 Gorleben-Andacht mit dem Posaunenchor Berlin Gethsemane-Kirche, Prenzlauer Berg. Thomas Klatt hat zugesagt, am 21.05.2017 mit dem Posaunenchor wieder die Andacht zu gestalten.

Christa Kuhl dankt allen, die ein Gorlebener Gebet vorbereiten. Jede Andacht ist eine besondere - persönlich und einmalig! Die Teilnehmerzahlen haben sich erfreulicherweise gesteigert .

Teilnehmerzahlen:
Sommer 2016: Durchschnitt 23 Teiln. Sommer 2015: 19 Teiln. Winter 2016/17: Durchschnitt 19 Teiln. Winter 2015/16: 17 Teiln. (Ohne Großveranstaltungen, s.o,)

4. Das Sommerprogramm 2017 ist fertig und wird verteilt / verschickt. Die Druckerei Köhring in Lüchow druckt 800 Exemplare.
Das Gorlebener Liederbuch ist jetzt auf unserer Home-Page unter „Wir über uns“ einzusehen.

Das Geleitwort hat diesmal Eberhard Simon, Dannenberg geschrieben. Zum Thema „Beginn einer nicht-nuklearen Zukunft“ hat er ein Foto der Tafel, die auf der Aussichtsplattform des Großglockners in den Salzburger Alpen eingelassen ist, abgebildet.

Eine Schrift „Loccumer Prortokolle 27/16“ zum Thema: „Endlagersuche“ von Frau Monika C. Müller ist bei Interesse bei Familie Kuhl auszuleihen.

5. Besondere Veranstaltungen und Briefwechsel
Das Gymnasium Dannenberg bereitet eine Ausstellung vor, mit dem Thema: „Gott und die Welt“. Dazu wurde auch das Gorlebener Gebet einbezogen. Schülerinnen des 10. Schuljahres haben Kurt Schaefer, Ehepaar Anna u, Andreas v. Bernstorff und Ehepaar Kuhl ausführlich über die Geschichte des Gorlebener Gebets interviewt und auch an einer Andacht teilgenommen.

Christa Kuhl verlas einen kritischen Brief vom „Männerkreis St. Johannis, Lüchow“ und ihre Antwort darauf.

 

 

Predigt von Landesbischof Meister am 29.6. beim Gorlebener Gebet.


29. Juni 2014

Es gilt das gesprochene Wort

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.

Am Palmsonntag 1988 wurde das Kreuz für den Ökumenischen Kreuzweg von Wackersdorf nach
Gorleben zusammengebaut, liebe Gemeinde. In der Kreuzesmeditation dazu heißt es: „… nur zwei
Balken braucht es und zwei Schrauben, und alles ist zur Hinrichtung bereit.“
Menschen müssen keinen großen Aufwand betreiben, um sich mit Tod und Zerstörung zu verbünden.
Zum Handlanger der Zerstörung kann schon werden, wer
allein den herrschenden Ideologien vertraut.
Aber auch, wer den Widerspruch nicht pflegt und lieber schläft statt wacht, kann zum Mittäter werden.
Der Platz hier an den Kreuzen in Gorleben ist zu einem Ort der Wachsamkeit geworden. Es geht um
eine widerständige Aufmerksamkeit mit langem Atem. Auf dem Handzettel, der vor 26 Jahren auf dem
gesamten Kreuzweg verteilt wurde, werden genannt: sterbende Wälder, belastete Böden und Gewässer,
giftige Müllhalden und die Atomunfälle von Windscale, Harrisburg und Tschernobyl. Vom Widerstand
gegen Gewinnsucht ist ebenso zu lesen wie von Unvernunft und Korruption.

Würde man heute einen solchen Handzettel schreiben, er würde noch mehr aufzählen müssen.
Fukushima, die drohende Klimakatastrophe, der Verlust an Biodiversität und die skandalöse Schere
zwischen reich und arm in unseren Gesellschaften. Dazu die Kriege, die seitdem Millionen Menschen
das Leben oder die Heimat gekostet haben. So wahr es ist, dass man nur zwei Schrauben und zwei
Balken braucht, um eine Hinrichtungsstätte zu schaffen, so wahr es ist, dass Tod und Zerstörung durch
banale Taten und Tätigkeiten ermöglicht werden, so wahr ist es, dass das Sterben und die Zerstörung
sich seit 1988 beschleunigt haben. Das G
ORLEBENER GEBET kann nicht für sich in Anspruch nehmen,
die Welt gerettet zu haben! Warum feiern wir also dieses Jubiläum?

Wir feiern heute dankbar 25 Jahre GORLEBENER GEBET, weil es an den Kreuzen in Gorleben nicht dabei geblieben ist,
Zerstörungserinnerung zu betreiben und Verletzungen zu markieren.
Das Symbol für den Kreuzweg ist zum Programm für viele Jahre G
ORLEBENER GEBET geworden: Das Kreuz trägt neue Triebe und Blätter.
Protest im Namen des schöpferischen Gottes gegen Zerstörung und Tod gehören nicht
irgendwie mit
Hoffnung zusammen, sie sind
real gelebte Hoffnung. Und unsere Hoffnung wird wirklich, wenn wir
beginnen für sie zu arbeiten. Wenn wir beginnen sie in konkrete Handlungsstrategien bringen. Die
Frage nach dem Leben erledigt sich nicht von selbst, sondern sie muss immer wieder neu gestellt
werden, wenn man mit Gott im Bunde sein will. Diese Frage ist kein Privileg der Kirchen. Sondern sie
ist all denen ans Herz gelegt, die eine Ahnung davon haben, was es an Wunderbarem mit diesem
Planeten und seiner Bewohnerschaft auf sich hat.

Die Kreuze auf der Erde sind nicht weniger geworden. Auch hier in Gorleben stehen verschieden
Kreuze aus verschiedenen Zusammenhängen. Schöpferisches Bewusstsein und Haltungen wachsen in
unserem Gebet den Versäumnissen entgegen, mit denen die Menschheit die Grundlagen des Lebens
angreifen. Hoffnung wird zur Kühnheit, die nicht vor den Fehlern einer Zivilisation verstummt. Hier in
Gorleben wurde und wird kühn gebetet. Warum? Weil hier gegen die Resignation von Hoffnungen
geträumt wird, die uns leben lassen; mutig leben gegen die Resignation dieser Wirklichkeit. So schrieb
es Klaus Schaefer, einer der wichtigsten Initiatoren dieses Gebetes in sein Tagebuch am August 1989:
Hier fordern wir Gott! Hier fordern wir uns; damit dieser Erde der schöpferische Geist nicht abhanden
kommt. Hier beten wir, damit dem Leben die Zukunft nicht davon läuft, sondern Gottes Zukunft in
unser Leben einbricht.
Das Gorlebener Gebet ist stark geworden, weil es Angst und Enttäuschung erträgt. Wir beten nicht,
damit alles einen guten Ausgang nimmt. Wir rufen Gott an und bitten ihn, uns zu stärken. Wenn die
Castoren immer wieder hinter den Zäunen verschwanden, wenn es still und trauriger wurde nach
aufgewühlten politischen Tagen, dann trafen sich aufrechte Menschen hier, um das Erlebte gemeinsam
zu ertragen. Hier wurden auch Tränen der Traurigkeit und der Wut im Gebet geweint.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass dieser Ort der Spiritualität auch mit Argwohn von der Kirche
betrachtet wurde. Gerade in den ersten Jahren gab es viel Skepsis. Auch die hannoversche
Landeskirche musste lernen, dass Menschen sich durch Hoffnung und Geist auch dort bewegen ließen
wo Kirchenordnungen, bischöfliche Statements oder theologisch tradierte Auslegungsversuche diese
Bewegung eher verhindert hätten. Ich erinnere für unsere Kirche kritisch daran, dass es 1980 zu
Pfingsten war, als Pastor Gottfried Mahlke in Gartow die Predigt am Bohrloch 1004 in der
Kirchengemeinde Trebel vom Landessuperintendenten untersagt wurde. Die Erinnerung an mutige
Zeugen, wie Pastor Mahlke, seine Ehefrau Heike Mahlke und viele, viele andere gehören auch in die
Erinnerung an die Geschichte unserer Kirche. Dort hat die Kirche Schuld auf sich geladen. Für diesen
Lernprozess, den die Landeskirche im Wendland durchlaufen musste, danke ich Ihnen. Ich danke Ihnen
als mutigen und wachen Mitgliedern unserer Kirche. Ich danke Ihnen als aufrechten Zeugen für eine
bedrohte Welt. So wirkt das G
ORLEBENER GEBET in unsere Kirche.

Für mich ist das GORLEBENER GEBET heute wichtig als ein Zeichen für Aufmerksamkeit. Es geht
darum, dass den Möglichkeiten zu Umkehr und Einsicht gesellschaftlich und politisch Gehör zu
verschaffen ist. Das geht nur durch Menschen, die Mut haben und die bereit sind, den Mund
aufzumachen. Wie sehr die Gesellschaft diese Mahnung braucht, wie sehr diese Gesellschaft sich z.B.
mit der Entscheidung zur kommerziellen Nutzung der Atomkraft verhoben hat, wie sehr sich die einst
gefeierten Möglichkeiten zu belastenden Unmöglichkeiten ausgewachsen haben, erleben wir an der
Endlagerfrage. Sind solche Irrtümer erst einmal manifestiert, verschwinden die weißen Landkarten aus
der Rückschau. Heute gilt es, die Fehler einer falschen Energiepolitik aufzuarbeiten und mühsam den

Ausgangspunkt für neues Vertrauen suchen. Der Vertrauensverlust, den wir als Gesellschaft erlitten
haben, wiegt schwer. Wir können nur hoffen, dass auch hier grüne Zweige wachsen, weil Menschen
den Mut aufbringen, neue Wege zu gehen. Weil wir der Kraft der Versöhnung vertrauen. Es geht nicht
darum, Sorge, Angst und Klagen zum Schweigen zu bringen. Hoffnung unter dem Kreuz Christi traut
sich an den konkreten Schmerz, weil sie im Schmerz geboren wurde. Das G
ORLEBENER GEBET bleib
als vernehmbare Stimme hier im Wendland immer auch ein Schritt aus trauriger Sprachlosigkeit. Eine
Sprache, die nicht mit Gewalt auf Gewalt antwortet.
Obwohl ich weiß, dass das Gorlebener Gebet als ökumenisches Gebet nicht nur von Christinnen und
Christen getragen ist, möchte ich mit einem Blick auf Jesus und seine Jünger schließen. Bevor Jesus
gekreuzigt wurde, ging er mit seinen vertrautesten Jüngern in den Garten Gethsemane, um dort zu
beten. Dort angekommen, bat er seine Jünger, mit ihm zu wachen. Als er zurückkam, waren Petrus,
Jakobus und Johannes eingeschlafen. Das wiederholt sich dreimal. Am Ende ist Jesus über seine Jünger
hörbar enttäuscht: „Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen?“ (Mk 14,41). Mich erinnert diese
Geschichte daran, dass es einen Schlaf gibt, der uns von Gott wegführt. Es geht um eine Trägheit oder
Müdigkeit, die uns von Jesus entfernt. Die gesellschaftlichen Schlafgewohnheiten gegenüber den
großen zivilisatorischen Herausforderungen und notwendigen Veränderungen gehören für mich zu den
enttäuschenden Schwächen der Gegenwart. Daraus entsteht noch kein moralischer Zwang, aber es
entsteht eine ethische Notwendigkeit. (W. Huber, Ethik S. 67) Gewohnter Schlaf an der Stelle, wo
wache Präsenz erwartet werden muss, markiert für Jesus selbst eine große Enttäuschung. Dieser Schlaf
vergrößert die Einsamkeit und schwächt die Gemeinschaft. Das G
ORLEBENER GEBET kann für sich in
Anspruch nehmen, Ort einer beharrlichen Wachheit gewesen zu sein. Eine Wachheit, die mit dem
bittenden „Wachet und betet!“ mit Jesu im Bunde war. Das G
ORLEBENER GEBET ist ein entschiedener
Versuch gegen die Versuchung, einfach nur dahinzudämmern. Jene, die nach aufmerksamer Hoffnung
im Namen Gottes fragen, sind aufmerksam und bringen ihre Sorge zu Gott mit den Versen aus dem
Römerbrief: „Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Gott hat seinen eigenen Sohn nicht
verschont, sondern ihn für uns alle dem Tod ausgeliefert. Sollte er uns da noch etwas vorenthalten?
Wer könnte es wagen, die von Gott Auserwählten anzuklagen? Niemand, denn Gott selbst hat sie von
aller Schuld freigesprochen. Wer wollte es wagen, sie zu verurteilen? Keiner, denn Christus ist für sie
gestorben, ja noch mehr: Er ist vom Tod auferweckt worden und hat seinen Platz an Gottes rechter
Seite eingenommen. Dort tritt er jetzt vor Gott für uns ein. Was also könnte uns von Christus und seiner
Liebe trennen? Leiden und Angst vielleicht? Verfolgung? Hunger? Armut? Gefahr oder gewaltsamer
Tod? Man geht wirklich mit uns um, wie es schon in der Heiligen Schrift beschrieben wird: "Weil wir
zu dir, Herr, gehören, werden wir überall verfolgt und getötet - wie Schafe werden wir geschlachtet!"

Aber dennoch: Mitten im Leid triumphieren wir über alles durch die Verbindung mit Christus, der uns
so geliebt hat. Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Dämonen, weder
Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendwelche Gewalten, weder Hohes noch Tiefes oder sonst
irgendetwas können uns von der Liebe Gottes trennen, die er uns in Jesus Christus, unserem Herrn,schenkt.“

Amen

 

Predigt über 1. Korinther 118  

am 15. März 2015
Kurt Schaefer, 21762 Otterndorf

Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen,uns aber, die wir gerettet werden ist es eine Gotteskraft.

1985, heute vor 30 Jahren wir haben das Kreuz hinausgetragen.
Das Kreuz auf der Straße von Krümmel nach Gorleben.
Hinaus aus der Kirche, aus dem fromm religiösen Schutzpark, fürs Kreuz reserviert,
abgeschirmt von der Welt, staatsrechtlich geschützt.
Das Kreuz ein religiöses Symbol. Doch das Kreuz ist erstmal ein Neutrum.
Zwei Balken aus Holz übereinander genagelt. Sie werden morsch, vermodern, zerfallen. verschwinden, wie das Kreuz Jesu, zerfallen und wohl auch verschwunden ist.
So auch das Kreuz von 1985 morsch, zerfallen, verschwunden, nicht mehr da.
Und alle Kreuze hier werden einmal verschwinden,
auch das hier heute hergetragene aus bolivianischen Hölzern.

Das Kreuz ein Etwas, ein Neutrum. Das Kreuz an sich ist nicht etwas Religiöses.
Das Kreuz ist ein Marterpfahl. Das Kreuz ist blutige Realität, einst und heute.
Letztlich eine menschliche Torheit.
Das Kreuz steht für Starke über Schwache, für Reiche über Arme, für Mächtige über Machtlose,
für gierige Profiteure über der Schöpfung, für Wachstum über nachhaltigem Lebensstil,
für Tod über Leben.
Das Kreuz hat seinen Platz in der Welt, ist säkular. Es ist auf Golgatha aufgerichtet.
Mitten in der Welt wird Jesus gekreuzigt. Mächtige schlagen einen Schwachen an den Pfahl.
Nicht das Kreuz, der Gekreuzigte bildet die Mitte.
Das Kreuz Jesu ist nicht Zeichen für ein von Gott gefordertes Opfer.
Das Kreuz Jesu ist Zeichen menschlicher Gewalt, die sich bis heute fortsetzt.
Der Physiker und Philosoph Blaise Pascal sagt
„Jesus wird in der Todesqual sein bis zum Ende der Welt.“
                                         *****
Das Kreuz, jedem vernünftig denkenden Menschen, eine Torheit
Diese Torheit schultern wir.
Des Kreuzes Torheit geschieht in aller Welt:
hier in Gorleben wie in der Asse, in Mastställen und Billiglohnbetrieben, in Flüchtlingsströmen und Hungergebieten, in Krieg und Terror, so auch in Bolivien, wo Klima-Eskapaden,
von uns in den Industrieländern provoziert, Menschen in Not bringen, ihre Existenz bedrohen.
Und so wird mit dem Lebensstil in unserem Land, mit dem in meiner und in deiner Familie,
das Kreuz aufgerichtet. Groß der CO2-Fußabdruck unseres aufwendigen Lebensstils.
Der Kreuzweg für die Schöpfung 1985 und alle Kreuzwege bis heute 2015 sind Aufruf, sind Aufforderung, das Kreuz Jesu in der gegenwärtigen Welt zu erblicken, wo der Mensch seinen Himmel entwirft und seine Hölle wirkt.
Wir – alle die wir hier versammelt sind – wir sind involviert, schlagen Nägel ins Kreuz mit unserem gepflegten Lebensstil, einem kaum nachhaltigen, mit unserem extrem hohen Konsum:
CO2-ausstoßend unsere Mobilität, im Auto und auf Flugreisen.
Wie groß mag unser CO2-Abdruck vom heutigen Tag, dem Kreuzwegtag, 8. März 2015, sein?
Heute hier alle fast ausnahmslos automobil zusammengeströmt.
Wir sind auch Manager des Kreuzes. Wir zimmern das Kreuz mit, an das Jesus täglich genagelt wird. Wie Paul Gerhard in seinem Passionslied dichtet:
„Nun was du, Herr, erduldet ist alles meine Last,
ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.“
                              *****
Nun stehen wir unter dem Kreuz, tragen seine Last.
Liebe Freundinnen und Freunde,
lasst uns zu Menschen werden, die sich nicht gleich selbstgefällig als die Geretteten outen,
die sich vielmehr ansprechen und aufrufen lassen, umzukehren, Buße zu tun,
eine radikale Umkehr, das haben auch wir hier nötig, abzukehren von allem,
was Leben beeinträchtigt und belastet, behindert und beschädigt,
hinzukehren zum Erhalt und zur Bewahrung von Leben
einzukehren in eine Lebensweise wie Gott sie uns Menschen auf Erden zugedacht hat,
wo niemand hungern muss, alle satt, alle geachtet werden
über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg.
                               *****
Und wir haben es gemerkt und werden es immer wieder merken,
je weiter wir unser Herz für andere öffnen,
je beherzter wir für die Bewahrung der Erde eintreten,
je hörbarer wir dem Unrecht widerstehen,
je konsequenter wir uns für den Frieden einsetzen,
je beharrlicher wir auf die Würde aller Menschen pochen
desto schwieriger wird unser Leben in dieser globalisierten Welt
mit dem zerstörerischen Abgott „Wachstum“, offenbart im unmenschlichen Raubtier-kapitalismus, der Mensch und Kreatur unterdrückt, kaputt macht, der die Schöpfung auffrisst.
Unser Lebensstil ist zur Naturgewalt geworden, der weltweit Katastrophen hervorbringt.
Allerorten wird das Kreuz aufgerichtet. In der Nachfolge Jesu wird unser ganzes Leben ein Kreuzweg, steht in Konfrontation zu der Welt, wie sie sich gebärdet, in der vernichtet und zerstört wird, in der Menschen und andere Kreaturen geschunden werden.
Dorthin machen wir uns auf, dorthin führen unsere Kreuzwege 1985 und 2015
und alle in den dreißig Jahren dazwischen.
Das Kreuz wird uns ein Ort der Begegnung, zwischen uns den hier Versammelten,
wohl eine ökumenische Gemeinschaft, verbunden im Geist Gottes,
unabhängig von Glauben und Bekenntnis.
Aber das Kreuz wird gerade auch ein Ort der Begegnung mit der geschundenen Schöpfung,
mit unterdrückten Menschen, mit Flüchtlingen, Armen und Ausgegrenzten,
so auch mit Menschen in Bolivien, mit aller geschundenen Kreatur,
beraubt ihres Lebensraums in Mastställen und Reservaten.
In diesen Begegnungen haben wir miteinander auf den Kreuzwegen erfahren und gespürt,
spüren wir es immer wieder: das Kreuz Jesu wird uns zur Gottes Kraft.
Eine spirituell mystische Erfahrung.
Eins werden mit Gott nicht etwa eine bloß private Innerlichkeit, so eine egoistische Seelen-wellness. Jesus Christus finden wir in der Konfrontation mit der Welt in der Befreiung der Unterdrückten, ein Exodusgeschehen, im Widerstand gegen alles Zerstörerische.
Da begegnen wir den Gekreuzigten.
Wie Thomas im Johannesevangelium sehen wir seine Wundmale
in der geschundenen Kreatur
Aber wie Thomas dürfen wir erfahren, das Kreuz ist überwunden im Ja Gottes zum Leben,
in Jesu Auferstehung.
Gut, dass Kreuze vergänglich sind, unsere Hoffnung, unsere Vision, alle, aber auch alle Kreuze auf dieser Erde werden vergehen. So – allein so wird das Kreuz uns zur Gottes Kraft.
Denn jedes Kreuz, auch das von 1985 und auch das heute von 2015, ist Zeichen für das Kreuz Jesu auf Golgatha, verwittert, morsch, verschwunden.
Ist Zeichen dafür: das Kreuz ist überwunden in der Auferweckung Jesu zu neuem Leben.
Ein Gnadengeschenk Gottes an uns Menschen, das uns in die Pflicht nimmt, diesem neuen Leben auf Erden Raum zu geben. Das bedeutet Umkehr aus unserem alten Lebensstil.
Also nehmen wir das Kreuz auf uns, anders geht es nicht,
und folgen den Spuren Jesu,
widerstehen dem Bösen setzen uns ein für Gerechtigkeit,
für Frieden in einer bewahrten Schöpfung.
Wir gehen den Kreuzweg, als von Gott Angenommene, in der Gewissheit:

Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen,
uns aber, die wir errettet werden, ist es eine Gotteskraft.

Amen

 

Das Gorlebener Gebet: Für das stetige Wachen

Gorlebener Gebet

Foto: Cornelia Kurth

Unter den Gorlebener Kreuzen treffen sich seit 25 Jahren Menschen zum Widerstand gegen die Atomkraft.

Das Gorlebener Gebet: 25 Jahre lang, jeden Sonntag bei Wind und Wetter, mal zu Hunderten und mal nur Zweien oder Dreien, wird im Wald beim geplanten Endlager für Atommüll dafür gewacht und gebetet, dass verantwortungslos erscheinende Energiepolitik nicht die Zukunft der Schöpfung gefährdet. Was eint die Menschen an, was lässt sie wiederkommen? Eine Reportage aus dem Wendland.
30.06.2014 | von Cornelia Kurth
"Wir sind furchtlos, ja!" Das sagt Hans-Dieter Kuhl, einst Bewährungshelfer, 78 Jahre alt, und seine 75jährige Frau Christa, pensionierte Lehrerin, nickt ihm lächelnd zu. Die beiden sind alte Kämpfer, erfahren im Demonstrieren und Diskutieren, längst gelassen im Umgang mit wehrhafter Polizei und ausgesprochen stoisch, wenn es darum geht, in Wind und Wetter protestierend auszuharren. Ziemlich außergewöhnliche Bürger, und doch heute nur ein Paar unter so vielen anderen Menschen, deren Leben von dem geprägt ist, was sie "Widerstand" nennen, Widerstand gegen den Einsatz der Atomkraft und vor allem Widerstand gegen das geplante Endlager für den strahlenden Müll im Erkundungsbergwerk Gorleben.

 

Wegweiser zum Gorlebener Gebet 2014.

 

"Fast alle, die sich an diesem Sonntag im Wald vor dem Erkundungsbergwerk zusammenfinden, haben "Kampf-Geschichten" zu erzählen, standen schon vermummten Hundertschaften der Polizei gegenüber, saßen in Straßenblockaden, flohen vor Wasserwerfern oder unterstützten diejenigen Castor-Gegner mit Speis, Trank und Ermutigung, die sich an den Transportgleisen zum Zwischenlager festgekettet hatten. Heute aber feiern sie den 25. Geburtstag eines meist eher stillen und gerade deshalb fast um so beeindruckenderen Protestes, das "Gorlebener Gebet", und sie feiern die Tatsache, dass sich wirklich ein Vierteljahrhundert lang jeden einzelnen Sonntag, sommers wie winters Menschen fanden, die eine Andacht hielten an diesem Ende der Welt, manches Mal zu Vielen und von der Presse begleitet, meistens aber nur mit einer Handvoll Betender und ohne einen anderen Zeugen als Gott.

"Was hast Du gemacht, damals?"

In einer Waldschneise treffen sich die Teilnehmer des "Gorlebener Gebetes", 300 Meter vom Eingang des Bergwerkes entfernt, mit Blick auf den Bohrturm, der sich bedrohlich wie der Turm einer feindlichen Burg erhebt, dort, wo drei große Holzkreuze stehen, das erste von ihnen 1988 aus dem bayrischen Wackersdorf 1113 Kilometer quer durch Deutschland bis ins abgelegene Wendland auf dem Rücken von Demonstranten angeschleppt.

 

Marianne Fritzen (rechts) und Evelyn Stendel wollen nachfolgenden Generationen eine saubere Welt hinterlassen

 

Marianne Fritzen war damals dabei, jetzt 90 Jahre alt, ebenso wie ihre Freundin, die fast 80jährige Evelyn Stendel, die das Holzkreuz ebenfalls trug, "aber nur kurz", sagt die zierliche Frau, "man will die Sache ja schließlich gesund überleben." Was sie eint, spricht Christa Kuhl aus: Das Bedürfnis, nicht beschämt und sprachlos dazustehen, wenn Kinder und Kindeskinder fragen: "Was hast Du gemacht, damals, als sie bereit waren, die Zukunft zu verraten?"

Nicht nur die Veteranen kommen an diesem Sonntag zur traditionellen Gebetszeit um 14 Uhr, auch jüngere Leute sind unter den wackeren Betern, darunter die Kinder und Enkelkinder des Ehepaars Kuhl, chorsingende Studenten aus Oldenburg, die Gäste aus Namibia mitbringen, die beiden jüdischen Künstlerinnen Jalda Redling und Anna Adam aus Berlin, die dafür sorgen, dass sich ein Band aus 1000 bunten Gebetsfahnen entlang der Bäume rund um das Erkundungsbergwerk zieht.

Zeitreise mit "Atomkraft - Nein Danke"-Schildchen

Bevor man sich nämlich bei den drei Holzkreuzen trifft, startet ein "Widerstands-Marathon", der einmal um das mit Nato-Draht abgeschirmte Bergwerk führt, von dessen Mauern Wachleute betont gleichgültig herabschauen.

 

Man stärkt sich zuvor mit Bio-Limo und dem Gesang der allerersten Protestlieder ("Das Wendland bleibt frei!") und steht dabei in der Nähe eines Schiffes, ja, der Greenpeace-Beluga, die im letzten Jahr auf der Waldlichtung ihren letzten Hafen fand. Wer noch nie in Gorleben war, kann sich wirklich zurückversetzt fühlen in die 1980er Jahre, wo selbstverständlich jeder, der was auf sich hielt, ein "Atomkraft - Nein Danke"-Schildchen trug, wo die Frauen ihre langen Haare offen trugen und die Männer in bunten Hosen herumliefen. Yogalehrerin Elisabeth Hafner-Reckers aus dem benachbarten Rehbeck, Organisatorin der Gebetstermine, sie wirkt mit ihrer runden Brille, ihrem Lachen und der orangen Jacke immer noch wie das Mädchen von damals, das bei den Demos die Fahne trug.

Da stehen und sitzen nun alle nach dem "Marathon", an dessen einer Station Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) eine flammende Rede hielt, im Wald bei einem Holzunterstand, wo Berge von Obst, Brötchen und Bioaufschnitt sich türmen, und man fühlt sich wie auf einem Geburtstagsfest, dessen Höhepunkt gleich beginnen wird. Zum ungefähr 1.500. Mal versammeln sich dann alle bei den drei Holzkreuzen, und neben Vertretern der katholischen Kirche wird als besonderer Gast der hannoversche Landesbischof Ralf Meister erwartet, mit Spannung, sitzt er doch seit kurzem in der Endlager-Kommission, die entscheiden wird, wie es mit Gorleben weitergehen soll.

 

Bischof Ralf Meister lobt Atom-Widerstand im "Gorlebener Gebet".

 

"Ihr missbraucht das Kreuz!" - diesen harten Vorwurf nämlich, wie er oftmals aus Politik und auch der Kirche erhoben wurde, werden Hans-Dieter und Christa Kuhl niemals vergessen. "Ich weiß noch zu gut, wie es hieß: 'Ihr werdet doch wohl nicht in Gottes Namen eine Technik behindern wollen, die so viel Gutes für die Zukunft bringen wird", sagt Hans-Dieter Kuhl. "Dabei hatte es da den Super-Gau in Tschernobyl schon gegeben." Was also würde der Landesbischof sagen, welche Richtung seine Predigt nehmen? Propst Stephan Wichert-von Holten von der Propstei Lüchow war eher vorsichtig und sprach davon, Gott zu danken für jede "kleinste Erfüllung" von 25 Jahren Gebeten, die doch aber immer aufs Ganze gingen, nämlich, dass Schluss sein soll mit Zwischenlager und vor allem mit den zweifelhaften Endlagerplänen.

Landesbischof Meister ließ sich auf keinerlei Kompromiss ein. Er schilderte, wie er vor vier Jahren zum ersten Mal und ganz allein den geschichtsträchtigen Gebetsplatz im Abenddämmerungs-Wald besuchte und ihm klar wurde, dass das Gorlebener Anliegen zu einem der wichtigsten Anliegen auch der Landeskirche werden müsse; wie er daran dachte, dass zwei Balken und zwei Schrauben schon ausreichen, um eine Hinrichtungsstätte in Form des Kreuzes zu errichten, und dass bereits durch zunächst vielleicht harmlos erscheinende Taten Leid, Schmerz und Zerstörung entstehen kann.

Atomkraftgegner blicken zuversichtlich in die Zukunft

"Ich will nicht verschweigen, dass die Kirche diesen Ort mit Argwohn betrachtete und das Gorlebener Gebet am liebsten verhindert hätte", sagte er. Das kontinuierliche Gebet aber habe der Möglichkeit zur gesellschaftlichen Umkehr Gehör verschafft, auch in der Landeskirche.

 

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"Wir müssen uns bewusst sein, dass zum Handlanger der Zerstörung schon werden kann, wer allein den herrschenden Ideologien vertraue", so Meister weiter. "Auch, wer den Widerspruch nicht pflegt und lieber schläft statt wacht, kann zum Mittäter werden." Das Gorlebener Gebet sei "ein entschiedener Versuch gegen die Versuchung, einfach nur dahinzudämmern". Hätte es sich nicht um eine Andacht, sondern um eine politische Rede gehalten, die über hundert Teilnehmer wären wohl alle aufgesprungen und hätten stehenden Applaus gespendet.

 

Hans-Dieter Kuhl ist erfahren im Kampf gegen die Atomkraft.

 

Statt dessen sangen sie zum Abschied das schöne "Bleibet hier, wachet und betet", und machten sich dann auf ins in der Gegend weithin berühmte "Widerstands-Gasthaus Wiese" in Nachbardorf Gedelitz, wo es Jubiläumstorte zu verspeisen galt und man sich erneut versprach, im Fall, dass Gorleben endgültig als mögliches Endlager ausscheide, Gott weitere 25 Jahre lang für den Erfolg zu danken. "Ich fange schon jetzt damit an", meinte Hans-Dieter Kuhl. "Denn ich weiß, ich weiß, dass wir Erfolg haben!"

27.06.14

 

Landesbischof Meister lobt Atomkraft-Widerstand im "Gorlebener Gebet"

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat das "Gorlebener Gebet" im Wendland als Beispiel für "widerständige Aufmerksamkeit mit langem Atem" bezeichnet. Im Wald neben dem Erkundungsbergwerk im niedersächsischen Gorleben sagte er am Sonntag in einer Predigt, hier gehe es darum, den Möglichkeiten zu Umkehr und Einsicht gesellschaftlich und politisch Gehör zu verschaffen. Seit 25 Jahren kommen Menschen jeden Sonntag im Wald zusammen, um dafür zu beten, dass der Gorlebener Salzstock kein Atommüll-Lager wird.

Die Organisatoren rechnen sich deshalb zur Protestbewegung gegen die Atomanlagen, die an den Wald angrenzen. "Wie sehr die Gesellschaft diese Mahnung braucht, erleben wir an der Endlagerfrage", sagte Meister. "Heute gilt es, die Fehler einer falschen Energiepolitik aufzuarbeiten und mühsam den Ausgangspunkt für neues Vertrauen suchen." Der Vertrauensverlust, den die Gesellschaft durch die Energiepolitik vergangener Jahre erlitten habe, wiege schwer. Meister ist Mitglied einer bundesweiten Kommission, die bis spätestens 2016 Kriterien für die Suche nach einem Atommüll-Endlager erarbeiten soll.

Meister sagte, Menschen müssten keinen großen Aufwand betreiben, um sich mit Tod und Zerstörung zu verbünden. Zum Handlanger der Zerstörung könne schon werden, wer allein den herrschenden Ideologien vertraue. "Aber auch, wer den Widerspruch nicht pflegt und lieber schläft statt wacht, kann zum Mittäter werden." Das Gorlebener Gebet sei "ein entschiedener Versuch gegen die Versuchung, einfach nur dahinzudämmern".

Seit 1989 werden die "Gorlebener Gebete" regelmäßig gefeiert. Doch ihre Geschichte reicht weiter zurück und ist eng verknüpft mit dem Streit um die Atomkraft in Deutschland. 1985 haben Atomkraftgegner erstmals ein Holzkreuz nach Gorleben getragen. Auseinandersetzungen mit den Behörden und mit Kirchenvertretern begleiteten seinen Weg vom Kraftwerk Krümmel bei Hamburg ins Wendland.

1988 beteiligten sich rund 6.000 Menschen an einem Protestmarsch vom bayerischen Wackersdorf nach Gorleben. Brüchig geworden steht das Kreuz von damals noch dort, angelehnt an einen Baum. Auch andere Kreuze wurden bei "Kreuzwegen für die Schöpfung" in den Wald geschleppt - 2001 etwa von Lüneburg entlang der letzten Etappe der Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Gorlebener Zwischenlager.

Die Atommüll-Halle, in der 113 Behälter mit Kernbrennstoffen lagern, liegt kaum einen halben Kilometer vom Andachtsort entfernt. Zuletzt rollten im November 2011 Castoren nach Gorleben, begleitet von Massenprotesten. Mit ihnen stieg auch die Besucherzahl der Gorlebener Gebete oft auf mehr als 150 an. Aber selbst jetzt, nachdem die Politik einen Neustart für die Suche nach einem atomaren Endlager angekündigt hat, kommen jede Woche etwa 30 Menschen, um zu beten.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
24. Juni 2014, 10:08

Nachricht

Beharrlicher Protest an den Gorleben Kreuzen

Ein Neustart in der Endlagersuche. Für die Initiative Gorlebener Gebet ändert das nichts

Von Karen Miether (epd)

Gorleben/ Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Elisabeth Hafner-Reckers holt Planen und Strohsäcke aus einem Verschlag - Nässeschutz und Polster. Richtig bequem wird der Sitzplatz auf einem mit Bohlen befestigten Erdwall auch damit nicht. An Birken, Kiefern und vier Holzkreuzen vorbei fällt der Blick auf das Erkundungsbergwerk im niedersächsischen Gorleben. An jedem Sonntag treffen sich hier im Wald Menschen zum "Gorlebener Gebet", seit 25 Jahren schon. So lange der Salzstock als Endlager für Atommüll in der Auswahl bleibt, wollen sie damit weitermachen - mindestens.

"Wenn Gorleben als Standort aufgegeben wird, werden wir 25 Jahre weiter hier sitzen und Gott danken", zitiert Elisabeth Hafner-Reckers einen langjährigen Mitstreiter. Die Gruppe rechnet sich zur Protestbewegung gegen die Atomanlagen, die an den Wald angrenzen. "Ob bei Kälte oder strömendem Regen, noch nie ist ein Gorlebener Gebet ausgefallen", sagt Koordinatorin Christa Kuhl. Am 29. Juni feiert die Initiative mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister als Gast ihren Jahrestag der Beharrlichkeit.

"Das Gorlebener Gebet ist ein hoffnungsweckendes Beispiel dafür, wie widerständig der christliche Glaube sein kann", sagt der evangelische Bischof. Längst ist die Initiative in der Kirche anerkannt. In den Anfangsjahren allerdings wurde sie mit Misstrauen betrachtet, denn im Wald predigen nicht nur Theologen. Mal spricht ein Ehepaar im Wechsel, dann wieder gestaltet ein Studentenchor die Andacht. Muslimische Frauen haben schon Friedenstexte aus dem Koran vorgelesen.

Seit 1989 werden die "Gorlebener Gebete" regelmäßig gefeiert. Doch ihre Geschichte reicht weiter zurück und ist eng verknüpft mit dem Streit um die Atomkraft in Deutschland. 1985 haben Atomkraftgegner erstmals ein Holzkreuz nach Gorleben getragen. Auseinandersetzungen mit den Behörden und mit Kirchenvertretern begleiteten seinen Weg vom Kraftwerk Krümmel bei Hamburg ins Wendland.

1988 beteiligten sich rund 6.000 Menschen an einem Protestmarsch vom bayerischen Wackersdorf nach Gorleben. Brüchig geworden steht das Kreuz von damals noch dort, angelehnt an einen Baum. Auch die anderen Kreuze wurden bei "Kreuzwegen für die Schöpfung" in den Wald geschleppt - 2001 etwa von Lüneburg entlang der letzten Etappe der Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Gorlebener Zwischenlager.

Die Atommüll-Halle, in der 113 Behälter mit Kernbrennstoffen lagern, liegt kaum einen halben Kilometer vom Andachtsort entfernt. Zuletzt rollten im November 2011 Castoren nach Gorleben, begleitet von Massenprotesten. Mit ihnen stieg auch die Besucherzahl der Gorlebener Gebete oft auf mehr als 150 an. Aber selbst jetzt, nachdem die Politik einen Neustart für die Suche nach einem atomaren Endlager angekündigt hat, kommen Kuhl zufolge rund 30 Menschen jede Woche - so auch an diesem Tag.

"Es wird keine objektiven Kriterien für ein Endlager geben, solange Gorleben in die Suche einbezogen ist und in den Köpfen spukt", sagt Elisabeth Hafner-Reckers. Doch nicht nur für eine politische Umkehr mit Blick auf Gorleben beten die Frauen und Männer. "Wir bitten um Frieden und Hilfe gegen den Hunger in der Welt", ergänzt Christa Kuhl: "Es geht um Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung."

Die ungezwungene Atmosphäre unter freiem Himmel zieht auch Menschen an, die sonst in keine Kirche gehen. "Für mich ist das hier die Gemeinde", sagt Ruth Meiners aus Salzwedel. Seit 15 Jahren kommt sie hierher. Mittlerweile ist sie 84 und hat einen bequemen Klappstuhl dabei. "Wenn Gorleben bei der Endlagersuche rausfällt, treffen wir uns aus anderen Anlässen", sagt sie. Doch die Skepsis überwiegt: "Wir glauben nicht daran." (3033/13.06.14)

epd lnb mir mil

 

 

 

Leserbrief von Christa Kuhl, betreffend den Artikel "Nicht mit dem Bauernverband streiten" in der EJZ vom 7.10.2013

"Glasklare Stellung"

"Landessuperintendent Rathing war gekommen, um sich über Tierhaltung auf einem Neuland-Hof im Wendland zu informieren.
Ein lobenswertes Vorhaben! Konfrontiert mit kritischen Äußerungen zur industriellen Tierhaltung blieb der Kirchenmann - wie ich
es dem Artikel in der EJZ entnehme - neutral, er sah die Aufgabe der Kirche weniger in der Äußerung fester ethischer Positionen.
        Glücklicherweise sind von der evangelischen Kirchensynode und von kirchlichen Arbeitsgemeinschaften klare Positionen
gegen Massentierhaltungen eingenommen worden, auch wenn Landessuperintendent Rathing darin zur Zeit keine Aufgabe der
Kirche sieht.  Im Frühjahr 2012 wurde vom katholischen Bistum Hildesheim ein ökumenischer Kreuzweg initiiert, der an
"wunden Punkten" in unserem Bundesland Station machte: Asse, Schacht Konrad, Gorleben - und Wietze. Anlässlich der
Großdemo  Ende August dieses Jahres gegen die gigantische Hähnchen-Schlachtanlage in Wietze wurde am Sonntag dort auch ein
ökumenischer Gottesdienst gehalten.
        Christen und Nichtchristen, viele Menschen guten Willens beziehen eine glasklare Stellung, sie nennen Unrecht und
Verantwortungslosigkeit beim Namen. Sie treten ein für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und Gerechtigkeit gegenüber
Menschen - und Tieren.
        Das ist auch ein Anliegen des Gorlebener Gebetes seit nahezu 25 Jahren. Am Platz der sonntäglichen Andachten steht neben
anderen auch das Kreuz des Kreuzwegs 2012 mit den Namen der Orte, an denen wir nicht vorbeisehen dürfen: Asse,
Schacht Konrad, Gorleben, Wietze. Unser Blick, unsere Verantwortung und unsere Gebete gehen über den Gorlebener Horizont hinaus.
        Wachsamkeit und ethisch begründeter Widerstand sind unsere Aufgaben!"

Christa Kuhl, Schreyahn, Ökumenische Initiative Gorlebener Gebet

 

Liebe Freundinnen und Freunde des Gorlebener Gebets!

Am Sonntag, dem 8. März 2015, begegneten sich beim Gorlebener Gebet
zwei Kreuzwege über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg:
Aktuell hielt der
5. Oekumenische Kreuzweg für die Schöpfung
Station an den Atomanlagen in Gorleben.
Die anschließende Andacht erinnerte an den
1. Kreuzweg für die
Schöpfung
vor genau 30 Jahren. Damals wurde ein großes Holzkreuz vom
AKW Krümmel auf dem Weg der geplanten Atommülltransporte nach
Gorleben getragen.
Es gab Streit quer durch Familien, Parteien- und Kirchenzugehörigkeit:
den einen war der Kreuzweg zu politisch, den anderen zu christlich
für das sonntägliche Gorlebener Gebet.
Pastor Kurt Schaefer aus Otterndorf war einer der Initiatoren des
1. Kreuzwegs. In seinem Buch:“Ein Dennoch in unsicherer Zeit“
dokumentiert er die Geschichte der
Kreuzwege für die Schöpfung 1985
und 1988
und berichtet von Schwierigkeiten und Widerständen, aber
auch vom beharrlichen und mutigen Festhalten an dem erkannten Auftrag.

Das Kreuz nannte er „ ein Symbol, das eigene Schuld eingesteht und zur
Umkehr ruft, zur Solidarität mit den Schwachen, dazu gehören neben
allem Leben auf Erden auch unsere zukünftigen nachgeborenen
Generationen. Unter dem Kreuz Jesu werden wir zu Menschen, die sich
nicht selbstgefällig als die Gerechten outen, die sich vielmehr ansprechen
und aufrufen lassen, umzukehren, das heißt abzukehren von allem, was
das Leben beeinträchtigt und belastet, behindert und beschädigt,
einzutreten für die Bewahrung der Schöpfung und hinzukehren zu einer
Lebensweise, wie Gott sie uns auf Erden zugedacht hat, wo niemand
hungern muss , alle satt werden und geachtet werden.“
Bei der Andacht am 8. März sagte K. Schaefer in seiner Ansprache:
„Gut, dass Kreuze vergänglich sind. Unsere Hoffnung, unsere Vision ist
und bleibt: Alle, aber auch alle Kreuze auf dieser Erde werden
überwunden und vergehen, verschwinden. Symbol dafür ist das verfallene
Kreuz vom Kreuzweg 1985 : verwittert, morsch geworden, zerfallen,
verschwunden. Nicht mehr da.
Eine Welt ohne Kreuze – unsere Kreuzwege und das Gorlebener Gebet
geben dieser Vision einen Ort mitten in dieser Welt.“

Wir freuen uns, dass bei der diesjährigen Kulturellen Landpartie unser
schönes Wendland sich wieder von seiner bunten, lebendigen und
kreativen Seite zeigen kann. Zu den „Wunderpunkten“ gehören aber auch
die „wunden Punkte“. Die BI hat einen Aktionstag geplant, bei dem alle
Veranstaltungen der KLP an den Atomanlagen stattfinden werden.
Auch das
Gorlebener Gebet gehört in das Programm: Am 22.Mai,
dem Freitag vor Pfingsten, halten wir eine Andacht um 14 Uhr am Platz
unter den Kreuzen. Wir hoffen, dass sich viele Menschen mit uns
verbinden im Gebet und im Widerstand!
Ein herzlicher Gruß an alle, die sich diesem Auftrag widmen!

Christa Kuhl 

        

 

„Wir können`s doch versuchen“ -

2. Kreuzweg für die Schöpfung vor 25 Jahren

Im Rückblick erscheint alles ganz einfach und „musste“ so und nicht anders ablaufen: Auf den 1. Kreuzweg 1985 schloss sich der zweite 1988 an, und aus beiden erwuchsen dann 1989 das Gorlebener Gebet und weitere Kreuzwege 1991 und 2001; aber solcher Art Rückblick verdeckt, unter welchen Bedenken, Fragen, Zweifeln die Dinge zustande kamen: Als z.B. im Herbst `86 beim Treffen mehrerer Basisgruppen in Neetze der Plan „2. Kreuzweg von Wackersdorf/-Bayern nach Gorleben“ im Raume stand, überwog zunächst die Skepsis: „~1100km Kreuzweg zu organisieren, das wäre ja nun doch `ne Nummer zu groß, oder!?“
Doch da geschah es, dass ein winziger Satz, zur rechten Zeit gesagt, mit dem passenden Ton der Ermutigung gesprochen, die Stimmung veränderte. Es war – und ich vergesse es nicht – Elisabeth Thomsen, die sagte: „Wir können`s doch versuchen; wir fahren erst mal nach Frankfurt und laden ein, und dann sehen wir weiter!“
Dieser Satz veränderte alles – sonderbar schlagartig – zum „Ja!“ hin, und der mutige Plan stand: Ja, man wollte den Kirchentag in Frankfurt `87 zum Anwerben von Mitakteuren für den Kreuzweg `88 nutzen, und es geschah so.
Nun, heute steht der Kreuzweg `88 nach 25 Jahren als (so zu sagen) „Silberner Jubilar“ da, und das heißt: Das ambitionierte Marsch-projekt Wackersdorf – Gorleben war gelungen!Vom 27.3. bis zum 28.5. `88 wurden 1113km zurückgelegt, von vielen Gruppen am Wege unterstützt, von ca 6000 Kreuzweglern mitgegangen, die das Kreuz trugen und Andachten hielten (drei darunter, die den ganzen Weg gingen: Lisa Weiler, Dieter Schaarschmidt, Martin Scholz), mit dem Zielpunkt Gorlebener Wald, wo das Kreuz neben seinem 85er Vorgänger so positioniert wurde, dass der Blick auf den Erkundungsbohrturm das Kreuz mit einfing. M.a.W. : Auf einen Blick sollte im Zeichen des Kreuzes der Leid-, Zerstörungs-,Anmaßungspunkt des Bemühens „Endlagerung“ klar sein. Aber noch immer scheint mir: Es war wohl Elisabeth Thomsens kleiner Satz gewesen – im richtigen Augenblick und mit dem richtigen Ton gesprochen - der den Ausschlag gab: „Wir können`s doch  versuchen!“
Dass nach dem Wunder des Kreuzwegs `88 ab Juli `89 noch ein weiteres Wunder geschah, mag schon fast nicht mehr verwundern: Seit dem 3. 7. `89 hat an jedem Sonntag um 14 Uhr an den Kreuzen ein Gorlebener Gebet stattgefunden.
Auch hier hatte die Skepsis am Anfang gestanden: „Wäre nicht ein gelegentliches oder monatliches oder ein 14tägiges Gebet eher auf die Beine zu stellen als ein wöchentliches?“
Aber so, wie sich `88 an der 1100km-Strecke genügend Gruppen fanden, so haben sich an der 24 Jahre-Strecke seit `89 genügend Einzelne, Gruppen, Besucher gefunden, das Gorlebener Gebet lebendig zu halten. ( Und zum Glück fanden sich mit Günther Buschmann, Friedrich Drude, Katja Tempel, Ehepaar Kuhl auch immer Koordinatoren! )
Ach ja, Kreuzweg `88 liegt weit zurück, und das Gorlebener Gebet mit seiner offenbar unerschütterlichen „Gorleben, nein!“- Dogmatik war mir oft ferner, als die 50km Dahlenburg - Gorleben erkennen lassen. Aber wenn ich dann mit halbjähriger (Un-) Regelmäßigkeit wieder beim Gorlebener Gebet bin, bin ich so froh, dass es existiert und dass die Kreuzwege gegangen wurden und dass die Andachtsstelle im Wald sonntäglich Menschen versammelt und versucht, ihnen im Zeichen des Kreuzes geistliche und praktische Orientierung in einer bedrohten Welt zu geben.
Solche Orientierung hat angesichts der Größe der Bedrohung wenig Aussicht auf Erfolg, aber sie setzt auch den positiven Impuls: „Wir können`s doch versuchen!“, und manchmal schon war dieser Impuls äußerst erfolgreich.
Christian Gohde, Dahlenburg

 

 

TAZ vom 24.3.2014

Gorlebener Gebet

Beharrlicher Protest im Kiefernwald

Mal kommen zehn, mal 200, Protestanten, Katholiken, Muslime oder "Kirchenferne" jeden Sonntag seit 25 Jahren zur atomkritischen Andacht nach Gorleben.

Keine normale Andacht - und schon gar kein Gottesdienst: Gorlebener Gebet am nuklearen "Schwarzbau".  Bild: Privat

GORLEBEN taz | Es gibt bequemere Orte. Auf einer Schneise im Kiefernwald zwischen Gorleben und Gedelitz stehen drei Kreuze im sandigen Boden. Eines ist so stark verwittert, dass es von einem Baum abgestützt werden muss. Grob behauene Stämme dienen als Bänke. Kaum mehr als 100 Meter entfernt, mit Zäunen gesichert: das Areal des Gorlebener Erkundungsbergwerks. Seit Ende der 1970er-Jahre wird der untertägige Salzstock auf seine Tauglichkeit als Endlager für hochradioaktiven Müll geprüft. Tatsächlich, so sehen es zumindest die Atomkraftgegner, ist unter dem Deckmantel der Erkundung längst eine Lagerstätte für den strahlenden Schrott aufgefahren worden – „Schwarzbau“ nennen sie deshalb das Bergwerk.

Auf der anderen Seite der Straße, noch in Sichtweite des rustikalen Gebetsplatzes, erhebt sich wuchtig der andere Teil des Atomkomplexes: links die Lagerhalle für Castorbehälter, daneben das Zwischenlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle. Die Fabrik mit dem hohen Schornstein ist die Pilotkonditionierungsanlage (PKA). Eines Tages, wenn die PKA ihren „heißen“ Betrieb aufgenommen hat, könnten darin Castorbehälter zerschnitten und ihr strahlender Inhalt neu verpackt, das heißt für die Endlagerung konditioniert werden.

„Hier ist es“, sagt Christa Kuhl. Hier, an den Kreuzen im Wald, treffen sich Menschen zum „Gorlebener Gebet“, Sonntag für Sonntag, seit inzwischen 25 Jahren. Sie halten Andachten ab, singen Lieder und mahnen einen anderen Umgang an mit Atommüll und der Umwelt überhaupt. „Wir kämpfen gegen die Atomwirtschaft weltweit“, sagt Kuhl, „und für den Frieden.“
Am Anfang: ein Protestmarsch

Entstanden ist die Initiative „Gorlebener Gebet“ 1988 nach einem großen Protestmarsch, 1.113 Kilometer vom bayrischen Wackersdorf bis nach Gorleben, Landkreis Lüchow-Dannenberg, im äußersten Nordosten von Niedersachsen. 63 Tage lang hatten Demonstranten ein schweres Holzkreuz mit sich geschleppt, das sie am Schluss in den Gorlebener Waldboden rammten. Ein paar Beteiligte überlegten sich weitere Aktionen, zu einem festen Termin im wendländischen Protestkalender wurden die Gebete dann im Frühsommer des folgenden Jahres.

Damals war Christa Kuhl noch nicht mit von der Partie. Vor elf Jahren zog die heute 75-Jährige mit ihrem Mann ins Wendland, „den Kindern hinterher“, sagt sie, „die hier schon lange im Widerstand waren“. Bis dahin hatten sich die Eheleute in Hameln gegen das nahe gelegene AKW Grohnde engagiert. Seit sieben Jahren koordiniert die pensionierte Lehrerin nun die Gorlebener Gebete. „Wir sind kein eingetragener Verein, haben auch keine Statuten, wir sind ein kleiner Kreis von Menschen, die sich dieser Sache verschrieben haben“, beschreibt Kuhl die Initiative.

„Gorleben ist nicht nur Synonym für den energiepolitischen Irrwitz, der Ausdruck im Strahlenmüll findet“, sagt Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI). „Es ist auch Ort der Hoffnung auf eine Umkehr und eine außergewöhnliche Form der interkulturellen Verständigung.“

Das Gorlebener Gebet, das ist Christa Kuhl wichtig, ist eine ökumenische, ja sogar eine interreligiöse Initiative: Neben evangelischen und katholischen Christen haben schon eine jüdische Kantorin sowie Muslime die Veranstaltungen geleitet. Die erste muslimische Andacht vor drei Jahren bereiteten zwei arabischstämmige Ärzte aus dem Wendland vor, eine zweite wurde von muslimischem Frauen gestaltet.

Rund 1.500 Veranstaltungen hat es inzwischen gegeben. „Kein einziges Mal“, versichert Kuhl, sei das Gorlebener Gebet ausgefallen, „auch bei Eis, Schnee und Regen nicht“. Im Durchschnitt kommen zwischen zehn und 30 Menschen, manchmal mehr, selten weniger. Sie kommen auch deshalb, weil die Gorlebener Gebete keine normalen Andachten sind – und Gottesdienste schon gar nicht. „Für viele“, sagt Kuhl, „ist das Gorlebener Gebet eine Möglichkeit, ihr Christsein und ihre Spiritualität auf eine Art zu feiern, wie es in den festgefügten Ritualen der Kirche oft nicht möglich ist.“
Feste Rituale gibt es dabei auch hier: Rollt ein Castortransport ins Wendland, sind die Veranstaltungen besonders gut besucht, am Sonntag vor der bislang letzten Atommüllfuhre im November 2011 versammelten sich an den Holzkreuzen 200 Menschen. „Die Aktivisten, die in den Tagen und Nächten danach in den Widerstand gehen und sich an den Blockaden beteiligen, werden alle persönlich gesegnet“, sagt Kuhl. Ein weiteres Ritual: Nach dem Gebet trifft man sich zu Kaffeetrinken und Klönschnack im Gasthaus Wiese in Gedelitz, einer der traditionellen Widerstandskneipen rund um Gorleben.
Überhaupt sieht sich das Gorlebener Gebet als Bestandteil des Widerstandes im Wendland – als eigenständigen Bestandteil allerdings, sagt Kuhl: „Widersetzen, x-tausendmal quer, die Bäuerliche Notgemeinschaft, die BI – wir machen mit denen keine gemeinsamen Aktionen, aber wir unterstützen einander. Es gibt eben unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel.“

Besuch vom „Politrentner“
Am vorletzten Sonntagnachmittag haben sich rund 70 Menschen auf der kleinen Lichtung zum Gorlebener Gebet versammelt. Besuch von auswärts hat sich angekündigt: Die Teilnehmer eines ökumenischen „Kreuzweges für die Schöpfung“, gestartet am 9. März in Hildesheim und am Tag zuvor am maroden Atommülllager Asse zu Ende gegangen, machen Station in Gorleben. Auch der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt, ein Christdemokrat, ist ins Wendland gekommen. Die katholische Kirche hat den 69-Jährigen, bis dahin nie als Atomfachmann aufgefallen, in jene Kommission entsandt, die ab April Grundlagen für die Endlagersuche erarbeiten und das im vergangenen Jahr verabschiedete Suchgesetz evaluieren soll.

Als „Politrentner“ sei er niemandem verpflichtet, entgegnet Milbradt im Anschluss an das Gebet in der Gorlebener Kapelle Zuhörern, die argwöhnen, er werde in der Kommission Unions-Positionen vertreten. Er sehe seine Funktion auch nicht als Vertreter der Katholiken, eher als Vermittler: „Die Beteiligten müssen zueinander kommen“, dazu wolle er einen Beitrag leisten, sagt Milbradt und zieht wiederholt Parallelen zu seiner Rolle als Schlichter bei Tarifverhandlungen.

„Bei der Endlagersuche gibt es keine Formelkompromisse, da geht es um weitgehende Sicherheit“, sagt Wolfgang Ehmke von der BI. Es sei positiv, dass Milbradt gekommen sei und sich am Gorleben-Gebet beteiligt habe. „Zum Gorleben-Gefühl gehört eben auch, dass die Menschen über 35 Jahre lang getäuscht wurden. Von Milbradt hatten wir klare Worte erhofft: Wie sollen Menschen Vertrauen in einen offenen und fairen Suchprozess gewinnen, wenn an Gorleben festgehalten wird?“

Ein gutes Verhältnis haben die Leute vom Gorlebener Gebet inzwischen zur Amtskirche, sogar zu deren Leitung. „Viele Pastoren aus dem Wendland sind ja im Widerstand“, sagt Kuhl. Bei Castortransporten sind bis zu 50 Pfarrer als Streitschlichter und Vermittler unterwegs. Beim Gorlebener Gebet selbst übernehmen Amtsträger wie auch Ruhestandspastoren Andachten.

Die Kirchenoberen waren skeptisch

So viel Harmonie war nicht immer: „In den Anfangsjahren gab es außerordentlich politische und theologische Auseinandersetzungen“, erinnert sich Ruhestandspastor Kurt Schaefer aus Otterndorf bei Stade, der zu den Begründern der Gebete gehört und ein Buch über die Initiative verfasst hat. Noch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 sei das Engagement im Wald von der Kirchenleitung skeptisch gesehen worden, erzählt Schaefer. „Die Andachten wurden ja nicht immer von Theologen gestaltet und manchmal auch von Gruppen, die etwas kirchenfern waren.“

Zur offiziellen Geburtstagsfeier kommt jetzt am 29. Juni der hannoversche Landesbischof Ralf Meister nach Gorleben. „Wir haben da einfach mal ganz oben angefragt“, erklärt der Initiativkreis, „und eine Zusage erhalten.“ Gratulieren wollen auch die übrigen Anti-Atom-Gruppen aus dem Wendland: mit einem „Widerstandsmarathon“.