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Liebe Freundinnen und Freunde des Gorlebener Gebets!

Im nächsten Jahr jährt sich zum 30. Mal, dass das sonntägliche Gorlebener Gebet stattfindet,
will sagen, dass sich Menschen treffen, die es zum einem gestalten und die es zum anderen
durch ihr Dabeisein mittragen. Es ist zu einer festen Tradition geworden, was nahe legt,
Dorothee Sölles Gedanken zu der „ermutigenden Kraft der Tradition“
an dieser Stelle
wiederzugeben und zu bedenken. Sie beginnen mit der provozierenden Frage „Was hat man
eigentlich davon, Christ zu sein?“ und leiten über zu den biblischen Aussagen, von denen man
als Christ „doch etwas gehört“ hat. „Was bedeutet es denn‚ etwas ´gehört‘ zu haben? Gegen
den Augenschein, der uns davon überzeugen will, dass das Unrecht für ewig herrscht, dass es
Kriege immer gegeben hat, dass die Gewalt das Recht der Menschen zerstört, haben wir etwas
anderes gehört. Gegen die sanfte Manipulation unseres Bewusstseins, die uns einreden will,
dass wir in einem geordneten und friedlichen Land leben und der Gnade der späten Geburt
teilhaftig geworden sind, haben wir etwas davon gehört, dass die Hungrigen mit Gütern
gefüllt und die Satten leer weggeschickt werden. (…) Und wir haben gehört, dass Gott die
Erde doch liebt und Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht verspricht
und sie nicht einem nuklearen Winter ausliefern will. (…)“

Dieser mannigfaltig gehörte „Einspruch gegen die Hoffnungslosigkeit ist das Wichtigste,
was das Christentum uns gibt. Ich habe doch gehört – das heißt mit einem großen und starken
Wort: Tradition. Wir haben eine Tradition. (…) Die Tradition hat eine große schützende und
ermutigende Kraft dann, wenn sie in unsere eigenen Kämpfe und Schmerzen eintritt, wenn sie
in unser reales Leben hinein spricht. Wenn sie das nicht tut, ist sie bloßes Papier, du kannst sie
vergessen. (…) Wenn wir geflissentlich übersehen, wie unsere Flüsse zerstört sind, dann
bleibt unser Lob des Gottes, der Wasser aus der Erde quellen lässt, oberflächlich.“
Wie gesagt, die Menschen des Gorlebener Gebetes sehen sich in dieser gelebten Tradition.
Entgegen aller äußeren Widrigkeiten gibt es für uns dieses „doch wir haben gehört“. Wir
vertrauen fest darauf, dass die
Tradition des Gorlebener Gebetes etwas bewirkt – bei den
teilnehmenden Menschen und durch den Geist Gottes, der sie leitet. Es bleibt so die
unverbrüchliche Hoffnung, dass auf lange Sicht auch im politisch-gesellschaftlichen Raum
ein nachhaltiges Umdenken geschieht.

Dieser Hoffnung und Zuversicht gibt auch der Psalm 23 auf seiner Weise beredten Ausdruck
(in der Übertragung von Helmut Gollwitzer, leicht geändert):

„Gott ist mit uns solidarisch
Wir sind umgeben nicht von
kaltem und leerem Nichts.
Wir sind regiert nicht vom blinden Schicksal.
Wir sind nicht ausgeliefert
den Folterknechten und Mächtigen dieser Welt.
Wir sind nicht erwartet vom letzten Henker, vom Tod.
Wir sind umgeben, getragen,
beschützt, regiert und erwartet
von Gott, von der ewigen Solidarität,
die auf unserer Seite steht,
die mit uns leidet, die mit uns kämpft,
sich für uns opfert und die Zukunft für uns gewinnt.
Das ist unsere Wirklichkeit, davon leben wir. Und dessen sind wir gewiss“.
 

Wilma und Berthold Sturm, Trebel