Gorlebener Gebet
Bleibet hier - wachet und betet
Liebe Freundinnen und Freunde des Gorlebener Gebets!
Lernen aus Vorbildern oder aus Katastrophen – viel mehr Wahlmöglichkeiten haben wir alle nicht, um das Leben auf diesem Planeten zu gestalten.
Gerade die weltweite Anti-AKW-Bewegung ist so ein gutes Beispiel dafür, wie hier über die Jahrzehnte hinweg Vorbilder für eine andere Energieversorgung erdacht, ausprobiert und umgesetzt worden sind. Wir waren und sind erfolgreich. Schauen wir uns in unserem Landkreis um, dann grüßen jetzt schon von vielen Häuserdächern und Fabriken Photovoltaikanlagen, die zuverlässig für Strom sorgen. Dass jetzt bei Neubauten Photovoltaikanlagen selbstverständlich sind, ist letztendlich der Anti- AKW-Bewegung zu verdanken. Überzeugend ist hier, dass die Nutzung dieser Modelle mitnichten mit einer Einbuße an Bequemlichkeit einhergeht. Nein, das warme Duschwasser aus der Anlage vom Dach ist genauso warm wie das Wasser, das mit Gas erwärmt wurde. Der einzige Unterschied macht sich im Geldbeutel zugunsten der Anlage auf dem Dach bemerkbar…
Das heißt, die Anti-AKW-Bewegung hat aus den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima noch mehr gelernt. Wir haben unsere Anstrengungen für einen anderen Umgang mit Energie erhöht. Das Ganze eingebettet in andere Fragen: Wie wollen wir weiter mit den begrenzten Ressourcen leben? Wie viel innerer und äußerer Wohlstand macht ein zufriedenes Leben aus?
Schauen wir allerdings auf die Stimmen, die zu einer Rückkehr der Atomkraft aufrufen, dann stehen sich hier zwei Grundüberzeugungen gegenüber. Die Atomkraftbefürworter sind überzeugt von der technischen Beherrschbarkeit aller Risiken. Materielles Wachstum muss um jeden Preis gesichert werden. Die Nähe zur Atombombe ist durch Atomkraftwerke immer da und für manche ist die Abschreckung mit Nuklearwaffen offenbar eine Option.
Die Anti-AKW-Bewegung sieht darin jedoch eine weitere Bedrohung. Sie stellt die Abhängigkeit des Lebens auf dieser Erde von nachhaltigem Wirtschaften in den Vordergrund. Wir haben weiter die Hoffnung, dass ein kluger Umgang mit den Ressourcen ein auskömmliches äußeres und inneres Leben ermöglicht.
Erinnern möchte ich hier an Marianne Fritzen, deren Leben durch den Gorleben- Widerstand über 40 Jahre geprägt wurde. Sie hat einiges von ihren vorherigen Sicherheiten aufgeben müssen und enorm viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Trotzdem war ihre Bilanz: Es hat sich gelohnt.
Dass wir gemeinsam auf diesen Wegen mit dem Gorlebener Gebet weitergehen, das
wünsche ich uns allen.
Elisabeth Hafner-Reckers
März 2026
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